In 15 Jahren Weblog-Welt ist diese Form der Veröffentlichung von Inhalten im Internet von einem Instrument der Internet-Nutzer zu einem vollständig einverleibten Instrument der Unternehmen und Anbieter geworden. Mit Weblogs stellen Unternehmen Nähe zu ihren potentiellen Kunden und zu Lesern allgemein her. Wer groß ist und geschickt agiert, wird mit seinem Weblog im Internet noch gefunden. Der Rest schreibt unentdeckt in einer Nische und kann nur noch mit Glück entdeckt werden.

The rise and fall and rise of Weblogs

Von Anfang an gab es hier in diesem Weblog Zweifel darüber, ob das was hier passiert, einen Sinn ergibt. Und von Anfang an wurde in diesem Weblog immer wieder die Frage gestellt, was sich eigentlich ändert, wenn geschriebene Texte im Internet veröffentlicht werden – und wie dieses Schreiben auch den Autor verändert. Dabei hat die Form und Struktur ihr eigenes Licht auf mich zurück geworfen und mich auch verändert. Letztlich existieren die beiden Seiten Anbieter und Nutzer immer noch. Auf welcher Seite steht Psychospaltung?

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Grundsatz-Plateaus

Bei falsch verstandener stillschweigender Übereinkunft der Meinungen im pseudo-subversiven Milieu entstehen Grundsatz-Plateaus, von denen aus ironisch in Richtung Gegner gewitzelt wird. Einverleibt in die Übereinkunft werden dabei auch alle, die sich nicht schnell und deutlich genug von einem dieser Grundsätze distanziert haben. Die landen aber dann schnell auf der Abschussliste der Plateau-Vorsteher. Dabei entsteht Glaubwürdigkeit nicht mehr durch die Sammlung und Widerlegung von Aussagen, sondern einfach durch einen ironischen Tweet. Lies mal, ihr wisst ja, dass ich mich nicht auf diesem Niveau befinde, aber ich begebe mich jetzt trotzdem dort hinein.

Neu aufbauen

Wie man es richtig macht, ist eigentlich seit 100 Jahren klar: Eine Meinung entwickeln, sie hinterfragen, Quellen recherchieren und lesen, diese in der möglichen Widerlegung der Quellen zitieren und die eigene Meinung klar und deutlich ausformulieren. Auf Twitter zum Beispiel relativ unwahrscheinlich möglich, das in diesen wenigen Zeichen hinzubekommen. Deswegen lassen wir das doch einfach und gehen von vornherein davon aus, dass jemand mit den richtigen Retweets und einer schmissigen Kurz-Bio auch die richtige Einstellung hat. Muss man ja nicht jedem beweisen, dass man für die Betrachtung eines wichtigen gesellschaftspolitischen Themas auch die notwendige Denkarbeit verrichten könnte – ein guter Wortwitz reicht eben auch aus.

Niveau sinkt und Glaubwürdigkeit geht verloren

Natürlich tut es das nicht. Und was nun geschieht, ist die Potenzierung der ohnehin schon lichtgeschwindigkeitartigen Zerrüttung wissenschaftlicher Praktiken. Jedes Thema wird auf Twitter gerade Bestandteil der Aussagen von Redakteuren in kleineren oder leitenden Positionen. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen geht dabei vollkommen verloren. Und das ist ein weiterer Sarg in den Nagel der Gesellschaft, die nach Fakten lebt und nach Wahrheit und Wissen streben könnte. Wenn alle sich auf ein niedriges Niveau begeben, dann kann ich mir doch aussuchen, nach welcher Moral ich tanzen will. Wieso sollte man sich auf den Weg in reflektierte Meinungen machen, wenn man zu allem zu jeder Zeit und an jedem Ort gleich eine Meinung, ein Kommentar dazu und ein Kommentar zum Kommentar erhält – und zwar nicht von Tweets, sondern gleich als Leitartikel.

 

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich in unserem neuen Haus oben in einem großen Gästezimmer gewesen bin. Dort passierten mehrere Dinge. Ich fand einen Schreibtisch, der den Vorbesitzern gehörte und in dem ein Computersystem eingebaut war, mit einem Tower, einer riesigen Tastatur und einem riesigen Bildschirm. Außerdem telefonierte V. mit Freunden in einem Videoanruf und ich kannte die aus dem Bielefelder Westen. Dann lagen da auch plötzlich Handys herum, die jemand dort vergessen hatte. Die ganze Zeit über war ich schon aus einem anderen Traum erwacht und wollte das in dem Traum endlich posten. 

04.12.15, 08:39 – Ben: Scott Weiland ist tot.
05.12.15, 01:16 – Nico: Das ist schade. Ich höre gerade die sehr gute „Tiny Music“…
05.12.15, 01:22 – Nico: Ich bin ja echt jemand, der nicht wirklich weiß wohin mit sich, und überhaupt wohin mit etwas… Aber, was ich immer sehr, sehr lieben werde: „It’s A Wonderful Life“ von Sparklehorse. Dass ist sicher mit das Beste, was ich jemals gehört habe!!!
14.12.15, 09:22 – Ben: Ich glaube wenn ich es drauf anlegen würde, könnte ich in ein richtig tiefes Jazz Loch fallen.
17.12.15, 22:45 – Nico: Ich wünschte, ich könnte so eine Aussage treffen. Ich bin zwischen Blues, tatsächlich Noise (Health!) und z.B. „So“ von Peter Gabrial hin und her. Beim besten Willen ließe sich da kein roter Faden ziehen. In Richtung Jazz höre ich fast immer nur die gute, alte „Bitches Brew“ von Miles Davis. Jetzt gerade höre ich Wilco, die Neue: „Star Wars“ – wieder einmal sehr gut.
18.12.15, 00:50 – Nico Beinke: Dann hör‘ dir mal „The In Sound From Way Out!“ von den Beasties an. Das ist eine spitzen Mischung aus Dub und Jazz.
18.12.15, 12:44 – Ben: Also ich meinte damit auch eher, dass ich viele Jazz Sachen so cool finde, dass ich von Künstler A nach Künstler B gehen könnte und da viele Sachen entdecken würde, die ich sehr mag und noch überhaupt nicht kenne.
18.12.15, 12:51 – Nico: Ja, das hatte ich auch so verstanden.
06.01.16, 08:59 – Ben: Ich bin ja schon irgendwie auch in einem Elektronik-Hoch seit Aphex Twin’s Syro erschienen ist. Ich kann da zum Beispiel Actress „RIP“ oder James Place „Living on Superstition“ nennen.
06.01.16, 17:47 – Nico: Das Actress-Album habe ich mir vor einiger Zeit schon zugelegt, bin aber zugegebenermaßen nie so richtig damit warm geworden. James Place kenne ich leider gar nicht. In Sachen Elektro habe ich zuletzt viel Helena Hauff gehört.
07.01.16, 00:22 – Nico: Ich höre gerade das „RIP“ noch einmal – hast du nicht bei Twitter etc. mal geschrieben, es klänge wie richtig gute Dance-Music draußen vorm Club?!
07.01.16, 00:24 – Nico: Da ist ja was dran, und genau das macht es ja schon wieder interessant. Ich höre das Album gerade noch einmal sehr aufgeschlossen und hoffe, dass es mir mehr gefällt, als beim letzten Durchlauf.
07.01.16, 08:28 – Ben: Ja genau, es klingt als steht man draußen vor dem Club und hört durch die verschlossene Tür nachdem man schon stundenlang getanzt hat.
12.01.16, 01:12 – Nico: Ich mag im Moment sehr Health hören. Guter, alter Noise!
12.01.16, 01:14 – Nico: „Get Color“ von Health!
01.02.16, 07:53 – Ben: Mir ist Kurt Vile so sympathisch, Dir auch?
01.02.16, 14:21 – Nico: Habe ich mir noch nie so wirklich Gedanken drüber gemacht. Wie kommst du drauf?
01.02.16, 14:22 – Ben: Weil ich den so gerne höre und der sich selbst so unernst nimmt und trotzdem ernste Musik macht. Das ist für mich Größe. Was tolles machen aber bescheiden bleiben.
01.02.16, 14:28 – Nico: Nachvollziehbar! Ich habe im Sommer The War On Drugs live gesehen und die waren wirklich extrem unsympathisch. Kurt Vile und The War On Drugs bekomme ich so gar nicht mehr zusammen.
01.02.16, 14:29 – Ben: Schade, weil ich The War on Drugs sehr sehr mag. Jeder hat wohl mal seinen schlechten Tag.
01.02.16, 14:31 – Nico: Stört mich eigentlich auch gar nicht so sehr. Aber die Band hat ihre Roadies schlecht behandelt, was ich dann wieder überhaupt nicht ok finde.