Warum ich den Job nicht annehmen werde

Dies ist für alle die mich kennen, und darüber hinaus für Menschen, die nach Entscheidungen im „Berufsleben“ suchen (oder sich vor ihnen drücken).
Seitdem ich am Donnerstag, den 6. März das Vorstellungsgespräch hatte, denke ich über meine Situation in der Jobwelt nach. Natürlich habe ich schon vorher viel darüber nachgedacht, aber die Situation zwang mich dazu, ganz konkret und verschärft darüber nachzudenken, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Sechs Bewerbungen habe ich Ende Januar abgeschickt, zwei Absagen bekommen, ein Vorstellungsgespräch (bis jetzt) gehabt und gleich beim ersten Mal klappt es, ich habe die Stelle und könnte sogar sofort anfangen, quer einsteigen.
Bis auf eine Person freuten sich alle in meinem Umfeld; ich habe bestimmt mit einem Dutzend Leuten darüber gesprochen, wahrscheinlich waren es sogar mehr, und alle bestätigten mir, dass das doch eine super Chance wäre, das sollte ich auf keinen Fall abschlagen, so was passiert nicht jeden Tag, Mensch, da sparst du Zeit, is doch cool, andere Leute schreiben 50 Bewerbungen und erhalten nur Absagen, so eine Chance kriegst du nie wieder, denk daran, wie alt du bist, das wird immer schwieriger…
Das einzige, was ich den Leuten sagen konnte, war: wenn alles so supercool ist und ich endlich eine Stelle habe, wieso zur Hölle freue ich mich dann nicht? Wieso bin ich gar nicht glücklich, wieso gar nicht erleichtert, wieso habe ich nur Angst und wieso denke ich nur an andere Sachen?
Leute, die mich näher kennen, meinten zu wissen, dass das wohl an meiner generellen Unentschlossenheit läge, die ich in letzter Zeit an den Tag gelegt hatte, wenn es um Entscheidungen im Berufsleben ging. Sie meinten das nicht böse, sie machten sich halt Sorgen um mich. Das finde ich schön, aber ich frage mich immer, ob sie wirklich daran denken, was das beste für mich ist, persönlich gesehen, seelisch gesehen, herzlich gesehen und ob ich zufrieden bin (wahrscheinlich können sie das gar nicht wissen) oder ob sie daran denken, was das beste für mich sein könnte, arbeitsmartk- und geldtechnisch. Natürlich kann das keiner besser wissen als ich selber. In Zukunft wird es in Diskussionen darum gehen, dass ich doch nur nach Argumenten suche, um mich vor dem Job zu drücken, vor der Herausforderung zu drücken, und vor der Veränderung in meinem Leben zu drücken.
Noch mal: die Leute wollen mir nichts böses, sie wollen mir helfen und ich will ja auch darüber reden.
Zu einem kleinen Teil mag das durchaus so sein, ich habe viel Angst, wenn ich daran denke, in diesen Job zu gehen, aber allein das wäre ein Grund für mich zu sagen, dass ich den Job nicht annehme. „Da muss man durch“, habe ich in letzter Zeit viel gehört, oder die Abwandlung davon: da muss jeder durch. Was ich generell von solchen Entscheidungen denke, dazu komme ich gleich, für mich persönlich habe ich entschlossen: der Job birgt keinerlei Freude für mich, schaffen könnte ich es, aber es würde mir keinen Spaß machen (Mensch, es geht nicht nur um Spaß, höre ich), kaputt gehen würde ich innerlich daran (Das wirst du nicht wissen, wenn du es nicht ausprobierst, höre ich) und geistig verarmen. Für mich alles legitime Gründe, den Job nicht anzunehmen.
Ich stecke in keiner guten Situation, ich bin 25 und stehe praktisch ohne alles da, ein abgebrochenes Studium, das andere nur auf dem Papier; andere Leute sind wesentlich jünger und wesentlich weiter und es ist nicht leicht mit Leuten, die man neu kennen lernt, zu reden, denn vieles dreht sich um den Job, eben das, was man den ganzen Tag so macht. Wenn man da in meinem Alter keine abgeschlossene Ausbildung oder ein sich dem Ende nahenden Studium vorzuweisen hat, steht man ein bisschen dumm da. Es ist schwierig den Leuten zu erklären, dass man trotz allem ja nicht untätig war/ist, dass es ja durchaus Dinge gibt, die man gerne tut, die man gerne vielleicht auch zum „Beruf“ machen möchte, die aber keinen wirklichen Beruf darstellen.
In dem Wort Beruf steckt Berufung, und ich glaube nicht, dass die Jobs, die viele machen, deren Berufung sind. Es gibt eine Menge Jobs, die gemacht werden müssen, für die es keine Berufung gibt, aber ich glaube auch, dass viele Leute mal einen Traum hatten, den sie zugunsten der Vernunft irgendwann nicht mehr beachtet haben. Für mich ist das sehr schwer, und inzwischen glaube ich unmöglich, diesen Traum aus den Augen zu lassen. Ich habe gehört, dass ich auf den Boden der Realität zurückkommen soll, dass ich nun einmal daran denken muss, auf eigenen Beinen zu stehen und das nicht alles so läuft, wie man sich das wünscht und man sich mit dem zufrieden gibt, was einem einigermaßen Spaß macht. Das scheint für mich eine unüberwindbare Sache zu sein. Ich glaube, zu viele Leute haben zu früh aufgegeben, für was sie sich interessiert haben als sie jung waren.
Etwas wichtiges hat mir diese Situation mit den Bewerbungen auf jeden Fall gezeigt. Dass ich, wenn ich meinen anderen „Traum“ verwirklich will – und ich weiß, dass ich es zumindest versuchen muss – das sehr bald geschehen sollte. Sonst wird der Traum in mir versauern, ewig nur ein Traum bleiben und ich werde ständig nur davon erzählen, dass ich eigentlich mal was ganz anderes machen wollte.

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