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Archiv für den Monat Mai 2003

Look Mommy, teacher says: Every time a bell rings, an angel gets his wings.

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90 Minuten Mogwai und alles wird gut. 90 Minuten Mogwai und man findet zu Gott, denn gestern nacht betete ich für alle, die beim Konzert keinen Lärmschutz dabei hatten oder ihn aus irgendwelchen Gründen nicht benutzt haben. Bad Religion waren 1994 für mich das lauteste Konzert gewesen, Mogwai haben das jetzt getoppt.
Kurz vor 21 Uhr begann die Vorband Partchimp zu spielen, teilweise erinnerten sie mich ein bisschen an Nirvana, aber sie waren durchaus gut. Vom Sound her war alles perfekt. Der Gesang hätte etwas lauter sein könne, aber da das eh das Schlechteste an der Band war, hat es mich nicht gestört.
Gegen 21:45 Uhr betraten dann Mogwai mit der Ansage: „Welcome to the Mogwai concert. Here are some songs“, die Bühne und fast immer im Wechsel kamen dann neue und alte Songs. Die neuen Songs klangen alle eher ruhig mit Vocoderstimme und/oder schönem Klavier.
Was mir besonders auffiel, war, dass diese Band unglaublich präzise agiert. Da wird nicht gejammt oder unkontrolliert ausgebrochen. Die Ausbrüche sind absolut präzise geplant, damit sie einem wirklich den Kopf wegblasen. Weiterhin wurde auch bei keinem Lied gesungen, außer eben den Songs mit Vocoderstimme (ein oder zwei neue und das geniale „2 rights make 1 wrong“). Nach 3 oder 4 Liedern war es allerdings für mich ohne Lärmschutz nicht mehr durchzustehen. Sie verließen dann kurz die Bühne, um nach kurzer Pause noch „My father my king“ zu spielen und danach die übliche 15 Minuten Noise Attacke auf die Zuschauer loszulassen. Doch selbst die schien durchgeplant gewesen zu sein. Zwei Gitarristen auf der Bühne, die genau wussten, welche Regler sie drehen und welche Bodentreter sie drücken mussten, um einen solchen Lärm aus den Instrumenten zu holen, dass selbst die umstehenden, die einen Lärmschutz benutzten, sich noch die Ohren zuhalten mussten. Die Basstöne übernahmen irgendwann die Atmung und den Herzschlag… Schmälern kann das aber nicht die Schönheit der anderen Songs, die dargeboten wurden. Mit Meloden und Harmonien haben Mogwai es einfach raus.

Sie stand vor mir, zappelte herum, hatte sich mir vor einigen Sekunden an den Hals geschmissen, um mich zu begrüßen und schaute sich jetzt um, um zu sehen, ob sie jemand dabei beobachtet hatte. Mit der einen Hand fummelte sie an dem Ring der anderen Hand herum und stellte mir jetzt Fragen, die völlig unwichtig waren. Sie wartete eh nur darauf, endlich über sich zu reden. Sie verstellte ihre Stimmen und begann Sätze mit: Weißt du, was mir passiert ist?
Dann zeigte sie mir, wie jeden Abend, mit wem sie alles da war. Das ist meine Freundin und das ist meine Freundin und die und die und die.
Aus ihren Plänen für die Zukunft konnte ich schließen, dass sie nicht wusste, was sie mit sich anfangen sollte. Wenn sie alleine zuhause sitzt, springt sie wahrscheinlich jede Minute auf, macht ein neues Lied oder eine neue CD an, fängt an ihren Kleiderschrank aufzuräumen und lässt es dann doch sein, ruft drei Freundinnen hintereinander an und geht dann doch in die Stadt, einkaufen und sich zeigen.

Er räumte vor mir in seinem Zimmer herum und ich erzählte von seiner Schwester und er nickte, aber ich wusste, dass er es im selben Moment wahrscheinlich vergessen würde, obwohl es seine Schwester war, von der ich ihm erzählte. Man konnte fast schon hören, wie sein Gehirn versuchte, die Informationen aufzunehmen, es ihm aber nicht gelang, sie einzuordnen und abzuspeichern. Er hatte damit zu kämpfen, dass er vor einer halben Stunde aufstehen musste, selbst das Aufstehen war für ihn zur Qual geworden.

Als wir letzte Woche Donnerstag im Kino waren, gingen wir danach noch bei einer großen Fast-Food Kette was essen. Vor dem Fast-Food Laden stand eine recht große Gruppe Jugendlicher an ihren Rollern und man konnte hören, dass die Jungen lautstark vor den paar Mädchen angaben, die dabei standen. Wir hielten recht nahe bei der Gruppe, stiegen aus und gingen rein. Die Gruppe hatte uns gemustert, es aber nicht für nötig befunden, uns einen Spruch hinterher zu quatschten, obwohl sie es aufgrund unseres Kleidungsstils vielleicht hätten tun können. Mein Kumpel meinte später: „Hast du das gemerkt? Wir scheinen es nicht mehr wert zu sein, angemacht zu werden. Wieso sollten so junge Leute 25jährige anmachen? Das wäre albern für sie.“