Bukowski, die 2.

Überall in Amerika starrten Betrunkene um diese Zeit an die Wand und wehrten sich nicht mehr. Man musste kein Trinker sein, um von einer Frau abserviert zu werden; aber man konnte jederzeit einen Tiefschlag verpasst bekommen, der einen zum Trinker werden ließ. Eine Weile, vor allem wenn man noch jung war, dachte man vielleicht, man hätte das Glück auf seiner Seite, und manchmal war es auch so. Doch während man sich noch ganz sicher und zufrieden fühlte, gab es bereits allerhand fatale Mechanismen, die gegen einen arbeiteten, ohne dass man etwas davon ahnte. Und irgendwann, in einer schwülen Donnerstagnacht im Sommer, war man selbst der Betrunkene, der allein in einem billigen gemieteten Zimmer lag; und ganz gleich, wie oft man es schon durchgemacht hatte – es half einem kein bisschen, nein, es traf einen sogar noch härter, denn man hatte sich an den Gedanken gewöhnt, dass es einem nie mehr zustoßen würde. Man konnte sich nur noch die nächste Zigarette anzünden, den nächsten Drink eingießen, die schrundigen Wände anblinzeln und hoffen, dass sie keine Münder und Augen hatten. Was Männer und Frauen aneinander antaten, war wirklich nicht mehr zu begreifen.

aus „Opfer der Telefonitis (Hot Water Music)“

von Charles Bukowski

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