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Archiv für den Monat Oktober 2003

Und wer mal ein richtig genial kaputtes Rock-Album hören will, bei dem sich The White Stripes und alle anderen, die jetzt plötzlich rotzig werden wollen, hintenan stellen können, der sollte zum 1. Album der Jon Spencer Blues Explosion greifen. Crypt-Style

Band, let us get together and write a song…
I get up and I write a song…

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Heute nacht habe ich von einer diesjährigen Silvesterparty geträumt, und was für ein Horror das war! Die Einzelheiten spare ich hier lieber aus, obwohl die für den Leser wahrscheinlich am interessantesten wären, doch wieder tauchte mein Handy in diesem Traum auf, mit wundervollen, nie da gewesenen Funktionen. Vielleicht sollte ich Handy-Designer werden. Auf dem Nachhauseweg von der Party im Traum, hielt ich die ganze Zeit mein Handy in der Hand und auf dem (riesigen) Display konnte man die Autofahrt auf einem Highway sehen, ähnlich einer berühmten Sequenz in dem David Lynch Film „Lost Highway“, in der man nur die gelbe Fahrbahnmarkierung vorbeiflitzen sieht. Das kam wahrscheinlich deshalb in meinem Traum vor, weil ich gestern nacht auf 3sat ein Doku über die Inszenierung von „Lost Highway“ als Oper gesehen habe. Später war das Display unterteilt in kleine Quadrate und zu erkennen waren verschiedene Gemälde, die in jedem Quadrat eine andere Farbe hatten.
Wundervoll war dagegen die Umgebung in meinem Traum. Es war der 1. Januar, morgens ca. 9 Uhr, als ich von der Party wegging, doch das Wetter war eher frühlingshaft, die Sonne schien und ich war auf dem Weg zu dem Haus eines Freundes, in dem ich schlafen sollte. Die Straße auf der ich entlangging war nicht geteert, es war ein ebener steiniger Boden, und die Häuser links und rechts waren größtenteils hinter in voller Blüte stehenden Bäumen versteckt.
Die ganze Zeit über war ich mit meinem Handy beschäftigt und empfing Nachrichten von Leuten, die mir ein gutes neues Jahr wünschten, mit multimedialem Inhalt, gesprochenen Gedichten und Musik.

Ich weiß nicht mehr, wie alt ich gewesen bin, aber ich schätze mal, dass ich 6 oder 7 Jahre alt war, da hatte ich abends wenn ich im Bett lag ein Bild vor meinem Auge, das mich nicht schlafen ließ und vor dem ich Angst hatte. Es war das Bild einer Fantomas-Maske, die es damals wohl zum Fasching zu kaufen gab. Dieses Bild hatte ich in einer Werbung in einer Fernsehzeitschrift gesehen. Ich weiß auch noch, dass ich vor diesem Bild furchtbare Angst hatte, es aber auch nicht sein lassen konnte, es mir in der Zeitschrift anzuschauen.

Auch als ich ihn abholte sah ich die alte Frau noch mal und sie sagte: „Ich glaube, die Schwestern sind gerade bei ihm, ich war selber noch nicht im Zimmer.“ Also warten wir beide vor dem Zimmer, reden aber nicht mehr miteinander. Es gibt nichts zu reden. Später sah ich sie dann bei ihrem Mann am Bett sitzen, sie hielt seine Hand, schaute aber auf uns, weil wir fuhren. Ihr Mund lächelte, aber ihre Augen nicht. Niemals werde ich vergessen, wie sie einmal dort am Bett saß und immer wieder leise zu ihrem Mann sagte: „Machst du heute mal die Augen auf?“

Eines der schrägsten, seltsamsten und zugleich schönsten Alben aller Zeiten ist wohl das Arise Therefore Album von Palace. Spärlich instrumentiert mit billiger Drummaschine im Hintergrund entwickelt es nach 20 Mal hören eine Perfektheit. Die bekloppte WahWah-Gitarre in „The sun highlights…“ oder der wunderschöne vierte Song des Albums mit dem unpassendsten Titel aller Zeiten „You have cum in your hair und your dick is hanging out“.

And glory rise upon her breast
And her breast breath rise and so I rest

Es scheint als wären alle Bahnhöfe, auf denen ich in letzter Zeit gewartet habe, nur noch Baustellen. Bäcker und Zeitungskiosk verlegt in einen Container außerhalb des Bahnhofsgebäudes. Ich warte auf einen Zug, der 10 Minuten Verspätung hat und stehe auf einem Bahnsteig mit Fußballfans, die mit einem Sonderzug nach Berlin fahren und Paletten Dosenbier auf dem Boden stapeln.
Zehn Minuten später sagt sie: „Ich will mein Ticket noch verschenken, das brauche ich ja jetzt nicht mehr“, und geht im Informationszentrum auf eine Frau und ein kleines Mädchen zu. Sie spricht sie an und dreht sich im nächsten Moment zu mir und sagt: „Kannst du Englisch?“ Vor einer halben Stunde hätte ich wahrscheinlich noch jemanden auf Englisch das Preissystem der Bahn erklären können, doch jetzt fällt mir nicht mal mehr das englische Wort für Geschenk ein und ich stammele etwas wie: „We don´t need this ticket anymore… this is for free.“ Die Frau aus England bedankt sich und wir gehen weiter, es ist Sonntagmorgen, 9 Uhr.