ZNA KKH L.

Während wir auf die Eingangstür zusteuern, den Kuvert mit der Einweisung hab ich in der Innentasche meiner Winterjacke, frage ich mich, wie oft ich vor dieser Tür stand und geklingelt habe. Drei Mal auf jeden Fall, wahrscheinlich sogar fünf Mal, diesen Abend mit eingeschlossen. Verändert haben sich zwei Dinge seitdem ich das letzte Mal hier war. Auf der Klingel steht jetzt: Fest drücken! und wenn man mittags zur ZNA kommt, muss man eine Wartemarke ziehen. Wenn man noch eine Hand hat, mit der man ziehen kann.
Auch an diesem Abend sind wir nicht die einzigen, die in der kleinen Nische warten müssen. Vor uns sind drei andere Fälle, eine Frau und ein Mann, bei denen man nicht weiß, warum sie dort sitzen; ein Mann, der einen Verband um die linke Hand trägt und irgendwann, als sich im sozialen Gefüge des Beieinandersitzens im Vorraum einer ZNA kollektives Unverständnis über die lange Wartezeit äußert, in gebrochenem Deutsch sagt: „Die hatten großen Notfall mit allen Krankenwagen.“ Und ein Junge mit seiner Mutter, der mit dem Fuß umgeknickt ist.
Während wir warten, kommt noch eine alte Dame dazu, die sehr verwirrt und aufgeregt ist, das aber alles runterspielen will und mich drei Mal fragt, wo man wohl erfährt, wo jemand hinkommt, wenn man hier eingeliefert wird. Ihr Mann sei vor 5 Minuten mit dem Rettungswagen eingeliefert worden. Ich versuche all ihre Fragen zu beantworten.
Weiterhin kommt ein junges Mädchen mit ihrer Mutter an, das Mädchen hat Sportsachen an, hält sich die Hand und weint. Später erfahre ich, dass ihr beim Volleyballspielen ein Ball auf den Finger geflogen ist und sie jetzt erst mal drei Wochen kein Volleyball spielen darf.
Freitagabend in der ZNA, alles ganz normal und so.
Irgendwann kommen wir rein und werden in die 3 geführt. Wenn man in die ZNA im KKH L. kommt, wird man komplett untersucht, d.h. dass man sich als erstes auszieht, dann wird Blutdruck gemessen, EKG gemacht, evtl. Fieber gemessen, geröntgt, Blut abgenommen, das ganze Programm. Zwischenzeitlich warte ich draußen, in der 1 sitzt ein Fußballer, der mit dem Arzt darüber diskutiert, ob er jetzt einen Gips braucht oder nicht, später latscht er barfuss aus der 1 ins Ärztezimmer und sagt: „Schauen Sie Herr Doktor, ich kann gehen, ich brauche keinen Gips.“ In der 2 liegt eine alte Frau, die immerfort in den Gang schaut und dann irgendwann die ganze Zeit „Hallo!“ ruft und ich frage mich, ob ich das an diesem Abend überhaupt hören kann.
Die Schwestern und Pfleger unterhalten sich während sie die Patienten behandeln, sie necken sich und machen Scherze während sie Blut abnehmen, blöde Sprüche an den Kopf bekommen und in Blut waten. Trotz alledem sind sie zu mir sehr freundlich und erklären mir alles. Man sagt uns, dass irgendwann eine Ärztin herunterkommen würde und erklärt die lange Wartezeit damit, dass es Wochenende ist und auf jeder Station nur noch ein Arzt/eine Ärztin anwesend ist und es deshalb entsprechend lange dauert bis jemand kommt.
In der 3 schaue ich mich um, versuche irgendetwas aus dem EKG zu lesen und kapiere nicht, außer dass alle Wellen sehr gleichmäßig aussehen.
Irgendwann kommt die Ärztin, nachdem ich 3 Stunden in der ZNA gesessen habe, stellt sich kurz vor und widmet sich dann den Unterlagen und fragt mich einige Dinge. Aber ich kann gehen.
Jetzt wartet auch draußen keiner mehr und als ich um 22:30 Uhr das KKH in L. verlasse, muss ich den Nachtausgang benutzen.

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