Archiv

Archiv für den Monat November 2003

Das orangene Licht der schon lange nicht mehr gesehenen Morgensonne fällt auf Dich.

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Umzug bis der Arzt kommt. Dieses Appartement scheint ja wie für sie gemacht zu sein. In einen leeren Raum denke ich mir Möbel. „Aber denken Sie daran den Hauptstromschalter umzulegen, bevor sie die Lampen anbringen.“ Klingel oben, Licht unten. Balkon heißt Loggia. Geben Sie mir einen Grundriss, dann kann ich mir die Maße selber zusammenreimen. „Schatz, ich bin zuhause.“ Ach nee, ich wohn ja noch alleine. Mein Vormieter hieß mit Nachnamen Miller. Da fällt mir sofort Harald Schmidt ein, wie er Jerry Lewis in Ich-weiß-nicht-mehr nachmachte: „Mr. Miller, Mr. Miller!” Das rufe ich jetzt jedes Mal wenn ich die Wohnung betrete. Aber wahrscheinlich nicht mehr, wenn ich die zweite Nacht dort schlafe. Dann käme es mir vor als würde ich einen Geist rufen.
Der Mietvertrag ist schön verwirrend aufgestellt, genau das richtige für mich, die Knebelklauseln sind wahrscheinlich in Fettschrift gedruckt aber trotzdem sage ich: Mhm, sieht alles okay aus, obwohl ich keine Ahnung habe, ob wirklich alles okay ist.
Guido hilft mir, Guido ist nett. Guido sagt mir, dass die Lampen gut sind. Guido hat einen grünen Marktkauf-Kittel an. Guido tippt mir von hinten auf die Schulter, ich stehe vor den Tapeten, Raufaser, und dem Metylan Kleister. Yellow lights mean slow down not speed up. Music for flightrecorders. Das alles nach den Stichen und der Aue. Aber die Haken und Dübel muss ich mir selber suchen.
IKEA ist gewachsen, ist groß geworden. Da fällt mir wieder Musik ein. Pavement mit ihrem wunderschönen Lied „Date with IKEA“. Flickenteppiche finde ich immer noch toll. Gardinen kann ich mir nicht selber nähen. Küchentisch, Stühle, Nachttisch, Badezimmermöbel. Ich kauf so viele Sachen und hab nachher den Wagen voll und zahle mit meiner Plastikkarte.
Motorpsycho tragen Gerüche und töten Tage und ich töte die Badezimmermöbel. Richterin Salesch, ich bin schuldig im Sinne der Anklage, ich war es, der die Badezimmermöbel getötet hat und die Leichen dann ins Bad stellte. Ich war es.
Guten Tag, Frau Wallmann, hier der WBS, für den ich verschissene 10 Euro zahlen muss, damit man ihn mir ausstellt, ja schröpft mich, schröpft mich richtig.
Porta-Möbel sucks, das weiß ich jetzt. Den Angestellten rieseln die Schuppen auf die Auslegware und Teppichböden gibt es dort auch keine. Nur sehr kalte Möbel, die ganz allein dort herumstehen und die niemand kauft. Und ach ja, im Media Markt gibt es ja außer CDs auch noch andere Sachen, nämlich Kitchenettes und Kühlschränke. So eine Kitchenette nehme ich mit, die find ich gut.
Guten Tag Herr Köhler, sie sind schon da, das ist gut. Ich unterschreibe alles, die letzten Sachen, der gute Mann baut das richtige Schloss in meine Tür und ich bedanke mich artig, und er fragt ob alles okay ist. Ich verziehe etwas das Gesicht und zeige ihm das Badezimmer. Das ist alt und versifft und wohl kaum noch zu reinigen und Herr Köhler sagt daraufhin, dass die Aufbau das Bad renovieren wird, gar kein Problem, nein, keine zusätzlichen Kosten für Sie Herr Mieter. Na also, warum nicht gleich so?
Danach dann der Hammer im Hammer. Ich will nun endlich einen Teppich finden, das kann doch wohl nicht so schwer sein und der letzte Teppichverkäufer in meiner Laufbahn dieses Jahr duftet nach billigem Rasierwasser und sagt andauernd: Ich frag ja nur. Bestimmt 100 Mal. Aber er darf mir trotzdem einen Teppich verkaufen, gute Vorwerk-Qualität, ja genau, in beige. Mit offener Heckklappe transportiere ich das Monstrum zur Wohnung und schleppe es mit Hilfe nach oben. Ausgebreitet sieht der Teppich in der Stube sehr gut aus.
Kleister anrühren, Tapeten einkleistern, ablosen. Luftblasenfrei andrücken. Das gelingt uns wahrhaftig nicht immer. Gleich kommt jemand, der mir die Lampen anmacht. Ja, an die Decke muss eine Leiste, damit man nachher nicht sieht, wie verdammt schief ich die Tapeten abgeschnitten habe.
Aufräumen, saugen und dann den Teppich ausbreiten. Das Bett ist wirklich ziemlich breit, aber genauso wollte ich das bitte auch haben.

Gestern fiel die Probe aus, und für meine neue Wohnung wollte ich Möbel im IKEA einkaufen, also nutzte ich den freien Nachmittag, packte A. mit ein und fuhr mit ihm Richtung Bielefeld. Kurz nach dem Ortseingangsschild, Herforder Straße, verabschiedete sich dann mein Auspuff vom Auto und entschied sich, in Zukunft einen getrennten Weg zu gehen.
Ich fuhr den Wagen an die Seite und rief beim ADAC an, bei denen ich schon seit über zwei Jahren Mitgleid bin. Normalerweise sind die ja auch schnell da, doch gestern lagen noch zwei weitere Fahrzeuge liegengeblieben an der Herforder Straße, deswegen dauerte es über zwei Stunden, bis der nette Mann vom ADAC da war. Der brauchte dann 5 Minuten bis er zwischen abgefallenem Auspuff und Motor eine sogenannte „Spreizschelle“ angebracht hatte, mit der ich dann weiterfahren konnte. Ich bin dann noch in den IKEA gefahren… wenn ich schon mal in Bielefeld bin… Als wir dann im IKEA saßen und ich eine Portion Köttbullar (nie wieder!) aß, kamen mir diese zwei Stunden an der Herforder Straße so unwirklich vor, als hätte mein Kopf zwei Stunden in völligen Leerlauf gschaltet.
Die wichtigsten Sachen fand ich im IKEA nicht bzw. konnte sie ob der Größe meines Autos nicht transportieren, ein Regal und ein Hängeschrank für die Küche.
Aber ich kaufte zweimal den Stuhl IVAR, den Waschbeckenunterschrank und den Schrank der Badezimmereinrichtung SPARREN, den Küchentisch INGO und den Nachttisch CORRAS.

Heute Nachmittag habe ich geträumt, dass ich meine alte Grundschule besucht habe, um mir dort eine Ausstellung anzuschauen. Ich betrat das Gelände der Schule über das Fußballfeld, das an einer Seite mit Gebüschen gesäumt ist. In diesen Gebüschen gibt es eine Lücke, die auf angrenzende Bauernfelder hinausführt. Auf einem dieser Felder befand ich mich, ging also auf diese Lücke zu, durch die Lücke hindurch und dann auf das Schulgebäude zu. Das Problem ist: diese Felder gibt es heute nicht mehr, dort stehen überall Häuser. Der Traum spielte also in der Vergangenheit. Ich war aber erwachsen. Als ich das Schulgelände betrat, war dort noch Unterricht und die Kinder spielten draußen auf dem Pausenhof. Ich ging in das Gebäude hinein und dann in den Raum, in dem die Ausstellung stattfand. Schüler hatten sich größere Städte aus unserem Bundesland ausgesucht und mit Texten und Bildern darüber berichtet, was man in diesen Städten erleben kann. Das Komische war: ich kannte all diese Städte nicht bis auf Hamburg, und Hamburg gehört nicht zu meinem eigentlichen Bundesland.