Archiv

Archiv für den Monat November 2004

Gibt es eigentlich wirklich Menschen, die den „Stern“ lesen? Ich habe noch nie jemanden getroffen. Aber gestern bei meiner Friseurin sind mir durch dieses investigative und knallhart recherchierende Blatt die Schuppen vom Zwerchfell gefallen. Zum Beispiel konnte man dort folgende Zeile lesen: „Käse ist ein Lebewesen wie Wein und Brot.“ Darauf reimt sich „Veganer sterben nun den Hungertod!“

Treff. Lesen!

Bei mir auf der Arbeit, in meinem Büroraum, steht ein Käfig, und in diesem Käfig sitzt ein Papagei. Den größten Teil des Tages sind der Papagei und ich alleine in dem Raum. Zwischendurch sagt der Papagei: „Papagei.“ Ist der Chef anwesend und der Papagei sagt „Papagei“, dann sagt der Chef: „Ja, du bist ein Papagei. Und was bist du noch? Ne Drecksau bist du.“ Klingelt bei der Sekretärin nebenan das Telefon, was ziemlich häufig vorkommt, sagt der Papagei manchmal « Hallo. » Jetzt warte ich darauf, bis der Papagei die Töne der Windows Fehlermeldungen nachmacht.

Heute nacht habe ich von einer Grillparty geträumt, bei der der Chefredakteur einer großen Tageszeitung, die es mit der Berichterstattung nicht immer sooo genau nimmt, zu Gast war. Ich packte ihn am Schlafittchen und sagte: „Mit dir rechne ich noch ab.“ Dann schlief ich ein (im Traum). Als ich (im Traum) aufwachte, waren 4 Tage vergangen.

Be-Geister(ung) für Musik. Be-Geister(t) von Musik sein. Im Fall von A Day In Black And White lässt die Begeisterung mich in meinem Inneren ruhig werden. Denn man hat das noch immer irgendwie im Kopf, dass es bestimmte Musik nicht geben kann. Es gibt Kombinationen, die wagt man nicht zu knüpfen. Wurden sie verknüpft und bekommt man es zu hören, steigern sich alle Emotionen und man wird gleichzeitig sehr sehr glücklich und hasst mehr und mehr die verfickten Charts. A Day In Black And White verknüpfen At The Drive-In und Godspeed You! Black Emperor, irgendwie, diese Formulierung nur aus dem Zwang als Vergleich Namen nennen zu müssen, aber natürlich klingen A Day In Black And White trotzdem absolut eigen. In den harten Parts chaotisch und melodisch zugleich, mit einem wundervoll jammernden Gesang, in den ruhigen Parts erahnt man die Steigerung, schöne traurige Melodien, dazu eine perfekte Produktion, als stände man mitten im Proberaum, die Produktion verdeckt nichts. Wie wundervoll tief, emotional, ideenreich und innovativ A Day In Black And White sind, muss man selbst hören.
Hier, hier und hier.

6,50 Euro. Kino, Mittwochabend. Das schlägt mir auf den Magen. Das Nebenbei dann jetzt erst mal vorneweg: die beiden Damen Tanten neben mir sind nach 10 Minuten eingeschlafen und schnarchen vor sich hin. Das nervt. Die beiden Typen neben uns scheinen sich lange nicht gesehen zu haben, wie meine Begleitung vermutet, derjenige, der links sitzt, wackelt immer so ganz schnell mit seinem rechten Bein beim Sprechen, er ist bestimmt nervös, weil er eine Geschichte erzählt, in der vorkommt, wie toll er ist, durch sein Wackeln wackelt aber die ganze Sitzreihe und meine Begleitung wird durchgeschüttelt. Das macht alles sehr schwierig.
Und so sind die Umstände für diesen Film nicht allzu gut. Zum Film selbst: Ich bin durchs Nicht-Fernseh-Gucken-Können etwas aus der Materie… wer waren denn die Zwillinge oder Geschwister, die in der Episode mit Steve Buscemi spielen? Was machen die denn sonst so? Und wer war diese Tussi, die am Tisch saß und sich Schusswaffenkataloge angeschaut hat? Das waren nämlich auch die beiden schlechtesten Episoden. Weder lustig noch sonst irgend etwas. Für die Episode mit Iggy Pop und Tom Waits muss man wahrscheinlich Iggy Pop und Tom Waits mögen, oder den einen mögen und den anderen hassen, aber ich kann sie beide nicht besonders leiden. Die besten Episoden waren die letzten drei, besonders die mit Alfred Molina und Steve Coogan war wirklich gut gespielt und gedreht. Und die Kombination RZA, GZA und Bill Murray ist klasse.
Hätte ich diesen Film vor drei Jahren gesehen wäre ich wahrscheinlich begeistert gewesen, doch irgend etwas hat sich geändert, irgendwie hat sich die Welt weitergedreht und jetzt kann ich das Rauchen und Kaffe trinken nicht mehr so coool finden.
P.S. Roberto Benigni ist so dermaßen scheiße, AHHH!!!

Bald werden keine Jugendlichen mehr wissen, dass man durch das Fernsehen seinen Musikgeschmack schärfen und erweitern konnte, dass man Informationen über neue und interessante Bands erhielt, dass sich das Fernsehen traute, für einen – relativ – kleinen Profit Sendungen zu zeigen, in denen Bands auftraten, die keiner kannte. In den letzten drei Monaten habe ich insgesamt vielleicht 3 Stunden fern gesehen, fühle mich, als hätte ich etwas verpasst, doch ich glaube, ich irre mich da. Das (Musik-)Fernsehen liegt im Sterben.

Meldung von FAZ Net.

Beitrag inspiriert durch Frank.

Okay, für eine Review ist es schon viel zu spät, aber die Reviews hier sind so unwichtig und belanglos, dass es egal ist. Dieser Eintrag ist eh schon fast unter „Abgesänge“ zu filen, denn was Sparta sich auf ihrem aktuellen Album „Porcelain“ an Belanglosigkeit und Beliebigkeit erlauben, ist zum Haare raufen. Da hätte man wohl eher gedacht, dass sie bei ihrem Erstling noch unsicher klingen würden, dass sie mit der Zeit und Ablösung von der Vergangenheit immer besser werden. Sollte das aber so weitergehen wie auf „Porcelain“, dann kann man Sparta in Zukunft getrost im Laden stehen und auf den Festplatten ruhen lassen. Wenn man selbst Musik macht, fällt einem leider noch viel schneller auf, was Musiker auf ihren Alben „falsch“ machen. Das mag ja Absicht gewesen sein, wie billig die Songs strukturiert und aufgebaut sind, aber kann Jim Ward wirklich ruhigen Gewissens abends ins Bett gehen und sagen: „Schön, dass unser neues Album draußen ist?“ Wohl kaum. Also: die Songs auf „Porcelain“ klingen furchtbar langweilig, nach einem Mischmasch aus Irgendwas-Core und Rock, zwischendurch mal mit dem Präfix Post-. Dieser Mischmasch addiert sich aber leider zu einem Nichts. Es gibt keinen erkennbaren Verlauf in den Melodien, was nicht schlimm wäre, würden Sparta Neurosis heißen. Die Songs bestehen häufig aus lieblos aneinander geklatschten Akkorden, die von einer unerträglich hoch fiedelnden Gitarre begleitet werden, die fast ausschließlich in jedem Stück mit Delay belegt ist. Einzig und allein „While Oceana Sleeps“ kann man als einen hörbaren Song durchgehen lassen, alle anderen sind Verschwendung.