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Archiv für den Monat Oktober 2005

Inzwischen sind auch meine dümmsten Trottelmitschüler etwas geworden, erfolgreich und haben Jobs und kriegen Lohn für ihre Mühen.

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Bin noch genauso blöd wie früher. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wenn ein Lied wie „I gave you“ von Bonnie Prince Billy und Matt Sweeney geschrieben wird, das Netz voll von Lobeshymnen zu diesem Lied sein müsste, dass die ersten Treffer bei Google Blogsearch nach einer Suchanfrage lauten müssten: Ich brach weinend zusammen und bereute alle Fehler, die ich je gemacht hatte. Jeden, den ich schlecht behandelt hatte, mit dessen Gefühlen ich wissentlich gespielt hatte, wollte ich anrufen und um Verzeihung bitten, mit der Gewissheit im Hinterkopf, die Welt würde dadurch schöner und länger bestehen bleiben, weil die Schönheit und Beständigkeit so eines Songs mir die Gewissheit dazu gab.

Deutschland hat viele Probleme. Es fehlen 35 Milliarden Euro in der Haushaltskasse. Bei uns zuhause war die Haushaltskasse ein Portemonnaie, das in einer Küchenschublade lag. Es muss als im Kanzleramt oder einem der anderen hässlichen Gebäude in Berlin eine riesengroße Küche mit einem riesengroßen Portemonnaie geben, in das eine riesengroße Hand reingefasst hat. Ein weiteres Problem ist, dass Deutschland bald von einer gesichtslosen Kanzlerin regiert wird, die ein hässliches Gesicht hat. Ich sah Gerhard Schröder gestern bei Phoenix und dachte: Ich werde ihn zwar nicht vermissen, aber mir wird auffallen, wie oft ich angewidert den Fernsehsender wechseln werde, wenn Frau Merkel zu sehen ist. Schröder wirkte locker, machte Witzchen, hat überhaupt ein tolles Lachgesicht. Passt also eigentlich auch nicht zu Deutschland. Deutschland bekommt erst jetzt das Gesicht, das es verdient hat.
Und zu guter letzt die 5 Millionen Arbeitslosen, die alle keine Abgaben an den Staat zahlen, die wir alle mit durchfüttern müssen, denen wir den Arbeitsausfall und die Krankenversicherung und die Mieten und Gedöns zahlen müssen. Morgens um 6:00 Uhr jedoch sind die 75 Millionen anderen Deutschen mit Job ein viel größeres Problem. Die machen nämlich einen Krach, dass man kaum schlafen kann! Es ist in Deutschland nämlich so: jeder, der Arbeit hat, will den anderen Deutschen wissen lassen, dass er Arbeit hat. In Deutschland fängt die Kette bei dem an, der am frühesten raus muss. Der glaubt von sich natürlich, dass er es am schwersten hat, deswegen poltert er extra laut über den Fußboden, knallt extra laut Türen und reißt am weitesten das Maul auf, wenn es darum geht, wer den schwersten Arbeitstag hatte. Des Deutschen liebsten Ausdruck in einem dieser Dialoge ist nämlich: Ja, frag mich mal! Wenn ich jetzt z.B. sage: „Puh, ich musste auf Arbeit heute 300 Kisten á 400 kg 500 Meter zu Fuß schleppen!“ – „Ja, frag mich mal!“ Und die ganzen Bauarbeiter und die von der Müllabfuhr, die fahren mit heulendem Motor an und machen extra viel Krach und haben keinerlei schlechtes Gewissen. Weil sie ja arbeiten!
Die nächste Stufe ist dann die Hausfrau, die jetzt neben ihrem Mann auch noch arbeiten muss. Die zeigt dem Rest der Bevölkerung wie schwer sie es hat, indem sie morgens um 6:30 Uhr schon mal Staub saugt und die Anlage mit Hausfrauen-House anschmeißt, damit jeder mitbekommt, dass sie ansonsten den Haushalt nicht mehr schaffen würde. Diesen Stress muss sie natürlich durch Rauchen abbauen und den Teer hustet sie dann ebenfalls um 6:30 Uhr morgens ab, kann sie ja auch gleich mit aufsaugen.
Die Väter fahren mit ihren VW oder Audi Kombis mit halsbrecherischer Geschwindigkeit über die Landstraßen zur Arbeit, weil sie über einen Routenplaner genau berechnet haben, wie lange sie bis zur Arbeit brauchen. Es gibt in Routenplaner allerdings keine Rentneranrechnungs-Plugins oder Die-Ampel-ist-immer-rot-wenn-ich-ranfahre-Plugins, also müssen sie die meiste Zeit waghalsig überholen und vorher millimeterdicht auffahren. Am nächsten Tag aber haben sie all das wieder vergessen und fahren wieder erst so spät los.
Deutschland wird in Zukunft noch grauer und bürokratischer werden als vorher. Auch wenn die Politik in den letzten 7 Jahren wenig verständlich und undurchschaubar war und anscheinend weder die Arbeitslosigkeit abbauen noch die Wirtschaft ankurbeln konnte, so war es wenigstens zwischendurch mal witzig. Jetzt wird es traurig, trauriger als je zuvor. Ich bin nicht Deutschland.