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Archiv für den Monat Februar 2006

Noch nie wurden durch Fernsehen und andere Medien übertragene Images so ungefiltert und unreflektiert kopiert, wie durch die Jugend, die zur Zeit Abi-Partys und ähnliches veranstaltet. Da ist es ganz groß in, Macker und Tussi zu sein/zu spielen. Es wird nicht einmal mehr eine Tiefe angetäuscht, man versucht nicht einmal mehr, jemand zu sein. Das Ziel ist, attraktiv zu sein. Die Jungen für die Mädchen und die Mädchen für die Jungen. Am Anfang fragt man sich auf so einer Party dann vielleicht, wieso ein DJ ausgesucht wurde, der wirklich die ganze Zeit nur zwischen R’n’B, Dancehall und Pimp Hop hin und her torkelt und dabei zwischendurch amateurhaft die Platten kaputtscratcht. Mit der Zeit merkt man, dass die Musik eh nur dazu dient, das Partyfeeling am Leben zu erhalten und die Kids am Tanzen zu halten. Ungelogen stehen die meisten auf der Tanzfläche, ihre Becken und Arme bewegen sich, aber der Kopf schaut nur herum, ob andere zuschauen. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Kids nur noch weiße Leinwände sind. Und auf diese Leinwände wird projiziert. Was auch immer gerade passt. Klamotten, Schminke, aber auch ganze Einstellungen und Lebenswege. Was ihnen Spaß macht, schauen sich die Jugendlichen im Fernsehen ab. Keine Nachfrage, kein Prüfen. Nachmachen und abgucken. Dass dabei eine Menge Scheiße abgeguckt wird, eine Menge Eindimensionalität, fällt nicht mehr wirklich auf. Gegenbewegungen sind im Keim erstickt, gelungene Verwebungen der Genres werden ignoriert, immer von der Masse her gesehen versteht sich. Zum Schluss trete ich auf das hurengeschminkte Gesicht eines auf ein Plakat gedruckten Püppchens, das für die nächste Abi-Party wirbt, und gehe.

[Richtig vollständig wäre der Artikel eigentlich nur mit der Überschrift gewesen. Ich hatte das vergessen.]

Gestern nach Syriana wurde mir bewusst, wie beschissen verlogen das eigentlich ist, dass ich nach dem Kino in mein Auto steige und nach Hause fahre, nachdem ich mich darüber aufgeregt habe, wie korrupt und skrupellos die Fäden im Ölgeschäft gezogen werden, wie undurchsichtig es wird welche Nation wann was warum macht, und wie schwierig es ist, all das einzuordnen und angemessen zu bewerten.
Da sitze ich also im Kino, und 25 Minuten nachdem der Film angefangen hat, trudeln die letzten Zuschauer ein, die ja, wie ich, mindestens 8 Euro bezahlt haben. Wie wollen die jetzt den Film noch kapieren bzw. was genau hat sie daran gehindert, pünktlich im Kino zu sitzen? Dachten die wirklich, die Werbung würde 50 Minuten dauern? Oder musste die Tussi in der Gruppe sich noch so lange schminken oder telefonieren, oder die Typen irgendwo cool herumstehen oder was?
Na ja, ich hatte mich gerade beruhigt und versucht, das Geknurschpel und Geraschel der anderen zu ignorieren, da latscht so ein Heini in den Saal und fragt einen der Aufpasser, die immer zwischendurch in die Vorstellung kommen: „Ich wollte eigentlich in Casanova, wo muss ich denn da hin?“ Nach Venedig, hätte der Aufpasser sagen sollen, doch er wies ihm den Weg in den richtigen Saal und von da an war Ruhe.
Na ja, zumindest bis zum Abspann, als ich mich dann vergewissern wollte, dass das eine Lied im Film wirklich von Do Make Say Think war (war es auch, und zwar „Chinatown“ vom & Yet & Yet Album), da quatschten nämlich die Angestellten des Kinos, mit den Müllsäcken in der Hand, wie bescheuert es sei, alleine ins Kino zu gehen, dass man dann ja niemanden zum Reden hätte usw., während ich direkt vor ihnen alleine im Kino saß. Da ging ich dann raus, stieg ins Auto mit dem Öl, an dem Blut klebt, und fuhr nach Hause.

Ich hab einen Bart wie Bluto.

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Lachnummer, Ratzefummel, Streberleiche

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Will man heuzutage Rock hören, hat man sehr sehr viele Alternativen.

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Was gibt es neues, was muss ich wissen? Eigentlich fast gar nichts. Nach 5 Tagen ohne Weblogs, gefielen mir die am besten, die nichts neues geschrieben hatten.