Archiv

Archiv für den Monat Januar 2007

Nach der Klassenfahrt will ich in der Schule über eine Stahlplatte eine Etage tiefer rutschen, um nicht die Treppe zu nehmen. Als ich unten ankomme, gehe ich ins Foyer und sehe dort alles leer geräumt. Es kommt mir ein Schüler entgegen und ich frage ihn: „Sag mal, wollen die jetzt das Foyer auch noch renovieren?“ – „Was heißt hier renovieren“, fragt mich der Schüler. „Die Schule hat doch gerade erst eröffnet.“ Als ich mich umschaue und die anderen Schüler und Lehrer sehe, merke ich, dass das Runterrutschen auf der Stahlplatte mich zwanzig Jahre in der Zeit zurück versetzt hat.

Gestern habe ich von einem Nachrichtensprecher gehört, dass 1977 ein Jahr des Terrors für Deutschland war. Das war mein Geburtsjahr. 1977. Und dann habe ich noch Uschi Obermaier und Rainer Langhans bei Beckmann gesehen, wie sie sich wie kleine Kinder gestritten haben, weil Beckmann sie über das Kommunenleben ausgefragt hat. Und dann habe ich auf NDR Fidel Castro gesehen, in einem langen Portrait, von Oliver Stone gefilmt. Und dann habe ich über Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar nachgedacht und warum sie im Gefängnis sitzen, und was das für eine Strafe ist, eingesperrt zu sein. Und dann habe ich über Versuche, politische und gesellschaftliche Änderungen zu bewirken nachgedacht, und ob mein Bild davon mit dem Gefühl in mir übereinstimmt. Und dann habe ich mich gefragt, ob ich beschließen kann, einfach nichts mehr zu glauben, was ich in Nachrichten jeder Form lese oder höre, zumindest nichts mehr was mit Politik zu tun hat. Rainer Langhans und Fidel Castro haben beide keinen Humor, soviel ist sicher. Und Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar sollten vielleicht freigelassen werden, wer weiß das schon. Und ich bin in einem Jahr des Terrors geboren worden.