Archiv

Archiv für den Monat Januar 2008

fellow creature

Begegnungen mit einem Fabelfänger.

fotografien von melek yöndem
28.01.08 – 29.02.08
tabak-presseladen
karl-marx-platz 3, berlin

Vanitas aus der zweiten Moderne.
Im Antlitz des Menschen die ganze Menschheit und alles, was sie bedeutet, ablesen können. Auch den Tod. Vielleicht versucht Fotografie dies seit Anbeginn ihres Bestehens zu vollbringen. Aber wir sehen eben das ganze Bild, das ganze Foto, die ganze Fotografie, wir nehmen die Mise-en-scène wahr, auch wenn etwas im Fokus liegt. Der menschliche Geist fokussiert, das menschliche Auge sieht. Die Reihe „Fellow Creature“ fokussiert und schweift ab zugleich.
In der bildenden Kunst wurde oft versucht, die Vergänglichkeit darzustellen. Hier sehen wir einen kontemporären Versuch der Abbildung von Zeitlichkeit. Der Vorhang öffnet sich, der größte Auftritt auf Erden, das Leben. Die Hauptfigur der Reihe, Creature, liegt wie aufgebahrt auf einem Sofa, eingehüllt in ein schwarzes Tuch, dies muss eine Decke sein, hat aber auch den Anschein eines Leichentuchs. Auf einem anderen Bild zeigt sich kein Leitfaden; wir sehen die Vergangenheit der Vergangenheit. Creature schaute in einen Spiegel und sah sich. Aber was wir sehen, ist ein Bildschirm im Spiegel, und an der Wand, die wir im Spiegel sehen, hängen Fotografien. Was die Kadrierung links und rechts begrenzt, erreicht in der Tiefe eine Unerreichbarkeit, Creature blickt aus der Vergangenheit in die Vergangenheit, wir blicken in die Unendlichkeit. Gleiches funktioniert auf einem anderen Bild, hier hängt der Spiegel links, der Rahmen und der Raum werden aufgelöst. Mit seinen Händen durchlebt Creature die Spuren der Vergangenheit auf seinem Gesicht. Im Stillstand in Bewegung sein, vergehen, das sehen wir später. Virilios Strichwahrnehmungen der Realität durch Geschwindigkeit. Schon auf dem Fahrrad sind wir mit der Geschwindigkeit nicht mehr mitgekommen, in der Bahn können wir uns ganz ausblenden, sind die ganze Zeit über an einem Nicht-Ort. Zwei Personen sind dann zu sehen, zwei Personen und doch nur eine. Die eine Person führt die andere hinauf, vielmehr wirkt sie gekleidet, als führe sie die Person vielleicht auch hinab. Dort wo die Kamera ist, vermuten wir sonst den Himmel. Ein zentrales Bild der Reihe scheint das zu sein, auf dem wir den Lebennehmenden sehen, wie er neuzeitlich Leben nimmt. Eine Gestalt mit einer Videokamera in der Hand. Das Heil der Menschen, das in der Aufzeichnung liegt, wird uns hier als ein Werkzeug des Todes vorgeführt. Genauer und näher und direkter weist eine andere Fotografie darauf hin. Denn hier stützt sich Creature mit der Hand auf einen Gehstock, die Stütze zum Gehen in seiner rechten Hand, die Stütze zum Denken und Erinnern unter seiner linken Hand. Alt ist Creature, alt und gezeichnet, aber auch erhaben.
Er ist so alt wie die Zigarette in seiner Hand und das Rauchen.
Der Vorhang schließt sich.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass meine Wohnung so eine Art Stall wäre und ich mit einem ganz süßen schwarzen Hausschwein dort zusammen wohnen würde. Es war nicht wirklich so, dass das Schwein mein Haustier gewesen wäre, nein, wir wohnten dort zusammen. Und irgendwann spielten wir Ball zusammen.