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Archiv für den Monat Mai 2008

Ich will unbedingt im Auto das David Bowie Album „Tasty Fruits“ hören.

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Vor 8 oder 9 Jahren, 1999 oder 2000, besuchte ich ein Kunstseminar der HBK Braunschweig, an der ein guter Freund von mir studierte. Mit „besuchen“ meine ich, dass ich als Gast dort war. Inzwischen hat mein Freund sein Studium beendet und die HBK verlassen, aber heute morgen nach dem Aufwachen befand ich mich kurz wieder dort in diesem Seminar, weil mir nämlich eins bewusst wurde: hier in W. wird man, was die Lehre angeht, in eine ähnliche Richtung gelenkt, wie es dort bei dem Professor in Braunschweig war. In Braunschweig ging das an dem Tag so: einer der Kommilitonen hatte seine Skulptur oder Statue mitgebracht, ich weiß jetzt nicht genau, wie man das nennt. Sie war weiß, aus welchem Material habe ich vergessen, und stellte einen Mann dar, der mit einem Kopftuch und einem Lendenschurz bekleidet einen melancholischen und traurigen Blick in die Ferne wirft, dabei einen Arm in Blickrichtung ausgestreckt hält. Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf den Blick, die Bekleidung und die Haltung der Skulptur/Statue. Der Professor lenkte den Blick jedoch auf etwas anderes. Etwas, was mir damals als absurd erschien. Aus logisitischen Gründen hatte der junge Student die Skulptur/Statue in zwei Teile geteilt, in der Körpermitte, und sie dann mit einem Scharnier wieder zusammen gebracht. Auf diese Konstruktionsweise nun verwies der Professor, ohne einen Gedanken an den Blick oder die Haltung der Skulptur/Statue zu verschwenden. Dies sorgte für Aufregung unter den Studenten, beschreibt aber einen ganzen Studiengang, den ich jetzt, 2008, belege. Das „Dazwischen“ wird wichtig, das „Wie“ ist das Wichtige, nicht das „Was“ und auch nicht das „Warum“. Zwischendurch gewann das „Wie“ für mich eine starke Attraktivität, vielleicht auch weil ich mir der „Was‘“ und „Warums“ nicht mehr sicher war, aber zur Zeit löst sich das zwischen meinen Fingern in ein Nichts auf. Wieder einmal bin ich bei einem vollständigen Zweifelzustand angekommen, alles betreffend, was man nicht anfassen kann. Und dabei soll ja gerade die Klärung des „Wie“ etwas Greifbares sein, etwas, das man im Gegensatz zu den Fragen des „Was“ und des „Warum“ analysieren kann. Ich schlage eine neue Strategie vor, Kleine Terz: Lass den Wookie gewinnen.

– Das verschwommene Schwarzweiß-Foto des Schlagzeugs. Es ist wunderschön und eine Versuchung.
– Die Überschwemmung und die Disco mit den hippen Kids. Die Überschwemmung erzeugt einen Fluss, in dem Goldfische schwimmen, die ich essen will. Vielleicht war der Fisch-Würzer der Trigger zu diesem Traumbild? Die hippen Kids in der Disco sind grotesk aufreizend gekleidet und alle drogensüchtig.

Gestern Abend ist etwas mehr als Unheimliches passiert. Ich ging schon recht unheimlich durch meine Siedlung, denn dank Headset kann ich handsfree telefonieren und spreche für andere Spaziergänger oder Leute, die den lauen Abend in G. auf dem Balkon genießen, ins Leere und muss dadurch unheimlich wirken. So gehe ich jeden Abend wie ein Geist durch meine Siedlung, in der die BMW-Dichte immer mehr zunimmt. Aber als ich so den E.-Berg hinaufging, Naturschutzgebiet und ehemaliges militärisches Gelände mit Lebensgefahrwarnung hinter mich lassend, ins Gespräch vertieft, da tippelte und tapste mir der Frosch aus meinem Traum über den Weg. Ich blieb stehen und schaute zu, wie er seelenruhig meine Schritte kreuzte. Ich lief nicht um die Wette mit ihm, wie in meinem Traum, und auch war noch mehr Tageslicht übrig, dennoch war es unfehlbar er, der Frosch aus meinem Traum. Frosch, sagte ich, Frosch Frosch Frosch.

„The dreams in which I’m dying are the best I’ve ever had.“
TEARS FOR FEARS „Mad World“

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mit einem Frosch um die Wette laufe. Der Frosch ist schön und hüpft neben mir, es ist eigentlich eher so, dass wir gemeinsam joggen.
Danach treffe ich in einer Art Gasthaus auf V., er sieht aus wie der V. aus der Schulzeit, mit langen Haaren und Lederjacke (so wie auch M.). Ich erzähle ihm von dieser einen tollen Stelle aus der M.I.-Kassette, die ich so toll finde und immer wieder höre, und er erzählt mir von einem Lied von mir, das er immer wieder hört, er singt es mir sogar vor.
Danach ist Pause, aber ich bin in der Gegend des B.-Ring, also viel zu weit weg vom Schulgelände und ich grabe im Boden nach etwas. Dabei höre ich Musik und merke plötzlich, dass der Jog von meinem mp3-Player abgbrochen ist, er wackelt wie ein lockerer Zahn. Ich denke aber, dass ich auch ohne Jog das Menü des Players steuern kann. Ich finde beim Graben ein altes Foto von mir, es ist mit Erde bedeckt und ich denke: das ist ein schönes Motiv, das möchte ich mit meinem Mobiltelefon fotografieren. Ich wische immer wieder mit meiner Hand über die Erde auf meinem Foto, aber die Erde lässt sich nicht wegwischen. Ich merke, dass es für das Fotografieren eigentlich schon zu spät ist, ich muss wieder zurück in den Unterricht und laufe zurück zur Schule. Aber ich lande bei der Grundschule und stehe draußen, als vor dem Gebäude Getreide gemäht wird. Es wird aber nicht von einem Mähdrescher gemäht sondern von einer Art Transformer-Version eines Mähdrescher, wie aus dieser Transformer-Auto-Werbung (mir fällt die Marke jetzt nicht ein), es führt eine Art Performance, eine Art Tanz beim Mähen auf, und der Abschluss ist die Abladung des gemähten Getreides in einem Silo, und der „Bauer“ (der aber Mitarbeiter der Schule ist, wie ich im Traum weiß), bekommt danach einen Applaus von Leuten aus dem Schulgebäude und vor dem Schulgebäude, die dem Ganzen aufmerksam zugeschaut haben. Ich bin also zu spät und laufe nun vor der Schule weg, habe dabei Röhrenhosen an, Stoff oder Jeans, das weiß ich nicht, und immer wieder klemmen sich meine Füße beim Laufen unter meinen Oberschenkeln fest und irgendwann stolpere ich und schleife mit Knien auf dem Boden, dabei bin ich an einem Bahnsteig angelangt und drohe nun, von einer anfahrenden Straßenbahn überfahren zu werden. Ich kann mich noch auf den Bahnsteig retten und rutsche dabei aber auf die andere Seite, an der es steil bergab geht in eine Siedlung. Plötzlich sehe ich: dort liegen Sachen von mir, Sachen, die ich in meinen Jackentaschen mit mir herumtrage, oder in meinen Umhängetaschen. Dann fällt mir ein, dass ich vor einer Woche auch hier gestürzt bin und damals Sachen verloren hatte. Aber ich hatte damals gedacht, alle Sachen wiedergefunden zu haben, was wohl nicht so war. Je mehr ich um mich schaue, desto mehr Sachen tauchen auf, die ich dort verloren habe, z.B. die Armbanduhr, die ich von K. zum Geburtstag bekommen habe, sie liegt dort drei Mal, und ich frage mich, wie viele von diesen Uhren ich gehabt habe. Aber dort liegen auch Brillenetuis und Kassettenhüllen und lauter Sachen, die ich irgendwann einmal in meinen Taschen getragen habe. Plötzlich wird mir klar: ich habe diese Sachen nicht vor einer Woche hier verloren und erinnere mich erst jetzt daran, sondern ich bin vor einer Woche hier an dieser Stelle gestorben.
Die Straßenbahn hat mich überfahren und beim Aufprall Sachen von mir überall hin verstreut, die man danach nicht alle hat finden können. Ich als Geist finde sie nun.