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Archiv für den Monat August 2008

Die heutige Nacht hielt eine sehr intensive Vision von einem Traum für mich bereit. Um 7 Uhr herum träumte ich, dass ich in der Turnhalle meiner ehemaligen Schule sei und wir dort Sportunterricht bei Herrn T. hatten. Er hatte draußen neben der Turnhalle an einer Laufbahn riesengroße Boxen, also Lautsprecher aufgebaut, an denen man vorbeilaufen musste. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob oder was aus diesen Lautsprechern erklang. Danach ging ich in die Turnhalle zurück und der Lehrer fragte mich, ob ich vor ein paar Jahren meine CDs dort vergessen habe. Er zeigte mir daraufhin eine Pantera-CD und einen Sampler mit Lounge/Downbeat-Sachen. An die Pantera konnte ich mich noch erinnern, aber diesen Sampler hatte ich total vergessen und freute mich im Traum darüber, ihn wiederzuhaben.
Es ging damit weiter, dass ich in einen anderen Hallenteil ging (man muss dazu sagen, dass man unsere Turnhalle mit riesigen Vorhängen in drei Hallenteile teilen konnte, damit mehrer Klassen oder Kurse gleichzeitig Sport machen konnten) und dort in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort landete. Im Traum dachte ich, dass dies nun ein Traum sei aber so richtig hellsichtig war der Traum dann aber doch nicht. Dieser andere Ort und die andere Zeit war ein Geburtstag eines ehemaligen Schulfreundes. An die anderen Episoden erinnere ich mich nicht mehr genau, ich wechselte dann aus Spaß von einem zum anderen Hallenteil, um diese Zeit- und Raumsprünge auszukosten, aber die letzte Episode ist mir noch im Kopf geblieben. Ich war dort in einem Gang wie an einem Bahnhof oder Flughafen. Es war die Zukunft, wie ich wusste. An der Wand hing eine Konstruktion, aus mechanischen Händen, die auf einem überdimensionalen Gitarrenhals ein Lied von Jose Gonzalez spielten (nicht „Heartbeats“). Ich ging weiter und freute mich über diese schöne Konstruktion und wurde plötzlich von hinten von jemandem angesprochen. Ich drehte mich um und erblickte einen Mann, der reglos vor mir stand und mit rotem Licht umgeben war. Es war artifizielles Licht, das von einem Scheinwerfer auf ihn geworfen wurde. Er fing an mit den Worten: „Kennst du die neuen Handysignale?“ Seine folgenden Worte wurden robotisch, das Licht änderte sich in einen dunkleren Ton und auch seine Gestalt und sein Aussehen morphte in eine andere Person. Ich erwachte stöhnend aus diesem Traum, in dem mir gewahr wurde, dass man in der Zukunft alles könne.

Es ist schön zu sehen, dass sich Puzzleteile zusammenfügen, dort wo sich beide Teile eigentlich abstoßen würden. Hier fügen sich der Tanzstil in alternativen Diskos und der Michael Jacksons im Musikvideo zu „Don’t stop ‚til you get enough“ zusammen. Gedreht von Nick Saxton hatte der Tanzschritt, den man im Video ( http://www.youtube.com/watch?v=4_hz2am90Hk ) bei 1:23 min. sieht, anscheinend einen enormen Einfluss auf einen ganzen Tanz in der alternativen Szene. Mit leicht gespreizten Beinen steht man auf der Tanzfläche, wippt leicht in der Kniebeuge und winkelt abwechselnd das linke und das rechte Bein im Knie bis max. 90° an. Bei Michael Jackson ist es mehr ein reines Anheben des Beins vom Boden, in der alternativen Szene wird mit dem Fuß beim Anheben mehr über den Boden gewischt, so dass es manchmal wie ein Weglaufen auf der Stelle aussieht. Dabei lässt man die Arme mit zu defensiven Fäusten geballten Händen leicht gebeugt an der Seite schlackern oder bewegt sie leicht wie beim Gehen. In zwei Ausprägungen hat sich dieser Tanz weiterentwickelt; einmal zum stakenden, leicht gelähmt wirkenden Tanz wie man ihn bei Ian Curtis von Joy Division beobachten konnte, mit übertriebenden Armbewegungen und wankend-torkelndem Gang wie bei Frankenstein und einmal das capoeira-artige Tanzen, das man heute bei vielen Jugendlichen sieht, die zu Core tanzen.

Intelligenterweise spricht Christopher Nolan Batman als Superkraft doch eines zu: das Auftauchen und Verschwinden von der „Bildfläche“. Dieses Verschwinden und Auftauchen ist durch diegetische Technik nicht zu bewerkstelligen und wird im ersten Teil nur unzureichend als Trainingseinheit Ablenkungsmanöver erklärt. Im Batman von 1989 benutzt Michael Keaton kleine Rauchbomben um zu verschwinden. Aber in „The Dark Knight“ ist das alles eine Sache des Schnitts und einmal eine Sache des Lichts (die Verhörszene, in der Jim Gordon aus der Zelle verschwindet und Batman hinter dem Joker aus dem Dunkel auftaucht). Zumeist befindet sich Batman im Dialog, wird durch sein Gegenüber für einen Moment aus den Augen gelassen und ist im nächsten Schnitt verschwunden. Nichts ungewöhnliches für einen Film, wieso, frage ich mich, wundert das uns eigentlich ob des Umstands, dass jeder der auf der Leinwand zu sehenden Personen vom einen zum anderen Augenblick verschwinden oder auftauchen kann? Aber es wundert uns natürlich, weil die andere Person Batman noch dort erwartet, wo er vorher war und das trägt erheblich zum realitätserweckenden Charakter des Films bei. Christopher Nolan spricht Batman so eine Superkraft zu, die er sowieso als Filmschauspieler hat.

Auf was in „The Dark Knight“, das nicht schon die großen Köpfe anderer Medieneinrichtungen gekommen wären, könnte die Rezension eines Bloggers hinweisen? Entgegen meines inneren Anspruchs auf Vollständigkeit, auf die Berührung des Rahmens der das Bild umgibt, will ich hier versuchen, auf Dinge hinzuweisen, die vielleicht nicht Thema der Rezensionen der Großen sind. Man beachte z.B. die Verortung Christian Bales als Batman außerhalb glamuröser Tatorte; Batman taucht da auf, wo Kriminelle sich treffen, um ungestört zu sein. Parkhäuser, dunkle Straßen, verlassene oder verfallene Gebäude. Schon immer war Batman kein Superheld im klassischen Sinn, seine Stärke war zum Einen sein Sinn, Hang und Drang nach Gerechtigkeit und die Möglichkeit, sich technisch so auszustatten, dass er gegen Kriminalität mit anderen Waffen kämpfen kann, als die Exekutive dies kann. Trotzdem ist er verletzlich. Christian Bale als Batman kann seine Wunden nicht verschwinden lassen, er muss sie selbst zunähen. Aber auch das wissen wir schon alles, das wussten wir auch schon seit Michael Keatons grandioser Szene in Pinguins Abwassergewölbe. So taucht das Thema der Kopie sehr zu Anfang des Films als ein Problem Batmans auf. Batman ist jeder, der sich ein Fledermauskostüm anzieht und Gewalt ausübt. „Was unterscheidet dich von mir“, fragt dieser verkleidete Gangster in „The Dark Knight“ und Christian Bale antwortet: „Dass ich keine Schulterpolster brauche“, und verweist damit auf seinen durchtrainierten Körper aber lässt den Zuschauer sich die wesentlichen Unterschiede ins Gedächtnis rufen. Trotzdem wird hier auf die schwierige Frage des Unterschieds zwischen Original und Kopie hingewiesen, deren Beantwortung Batman sich entzieht; da er der endgültigen Antwort nie gerecht werden kann, verweist er auf einen unwichtigen aber dafür deutlich sichtbaren Unterschied. Ein paar kleine Szenen wie diese machen – neben der sorgfältig ausgefalteten Geschichte und der schauspielerischen Leistung, der ja aber wie gesagt schon woanders genug Rechnung getragen wird – die Größe dieses Films aus. Da sieht man Christian Bale, wie er mit Hilfe Morgan Freemans als Lucius Fox gegen den Joker kämpft; weil es dunkel ist, bedient sich Batman eines Sonars, das durch den Verbund von Mobiltelefonsignalen funktioniert. Dieses Sonarbild wird Batman direkt vor die Augen projiziert, auf das er sich blind im wahrsten Sinne des Wortes verlässt. Als unpraktisch erweist sich dieser allwissende Blick aber schon in der nächsten Sekunde, als der Joker direkt vor ihm auftaucht und ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. So fühlen wir uns aber wie in einem neuartigen reell wirkenden Cyberspace, wenn dieses Sonar einen dreidimensionalen Raum erzeugt.
Einen sehr gegenwärtigen und aktuellen Blick wirft der Film auf die Wahrnehmung der Katastrophenschauplätze. Wie in den Nachrichten Bilder von Hubschrauberkameras der Sender verwendet werden, werden diese Orte – hervorgerufen durch terroristische anmutende Aktivitäten des Jokers – in „The Dark Knight“ von den Kameras überflogen. Weiterhin manipulierte der Joker schon im „Batman“ von 1989 das Fernsehen, indem er sich mit einem Störsignal in das Programm einhackte. Dort pervertierte er das Einkaufsfernsehen Das muss der Joker 2008 nicht mehr tun. Er filmt mit einer Amateurkamera seine Geiselnahmen und Verbrechen und schickt/sendet/überträgt diese ans lokale Fernsehen. Die Katastrophe ist adoptiert, an die Existenz des Chaos hat man sich gewöhnt, man baut sie als Berichterstattung ins Fernsehen ein.
Dies alles addiert sich zu dem postmodernen Batman, den wir in „The Dark Knight“ sehen. Teile davon sah man auch schon in „Batman Begins“, doch da hatte man noch die Vorgeschichte in Bhutan, in der Bruce Wayne erst zu Batman „wird“, die dem ganzen Film einen weitaus mystischeren Anstrich gab als „The Dark Knight“ das zulässt. Batman, Harvey Dent (später Two-Face), Rachel Dawes, Jim Gordon und Der Joker sind Manifestationen menschlicher Ideen von Stärke und Schwäche, Schönheit und Hässlichkeit, Gewalt und Frieden, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Ehrlichkeit und Lüge, Aufrichtigkeit und Niederträchtigkeit, Chaos und Ordnung, Größenwahn und Bescheidenheit, Schicksal und Zufall. Was in der Gesellschaft durch den Staat und andere Ordnungen seit Jahrhunderten und Jahrtausenden verankert ist, seinen Ursprung nahm und sich weiterentwickelt hat, wird hier dargestellt, bestätigt, widerlegt und hinterfragt. Schwierig eigentlich für einen Film, der in manchen Rezensionen für „nur ein Superhelden-Film“ gehalten wird. Dabei würde es nicht lange brauchen, um zu mehreren interessanten Beweggründen des Bedürfnisses der Gesellschaft nach einem Superhelden zu gelangen. Wenn Recht und Ordnung durch den Staat und seine Mittel nicht mehr aufrecht erhalten werden können, dann kommt eben jemand, der es auf seine Art und Weise macht, aber natürlich trotzdem immer mit Gewalt. Ob dies nun ein Held mit oder ohne Superkräfte ist, spielt für die Leinwand letztendlich keine Rolle. Auf der Leinwand ist jeder ein Held, wenn er vom Regisseur und Schnitt künstlich herbei und auf und ins Bild gerufen wird. Dass dieser Leinwaldheld aber eigentlich keinem Gesetz unterworfen ist, außer dem Inhalt des Drehbuchs und den Anweisungen des Regisseurs, ist aber eigentlich bei keinem Film der Fall. Vielmehr verweist „The Dark Knight“ durch seine Figuren auf ein uraltes Problem des Films selbst. Wenn wir Figuren im Kino sehen, kämpfen sie eigentlich Zeit ihres Filmdaseins für 80, 90, 120 oder auch wie hier 152 Minuten dagegen an, was wir von dem halten, was sie repräsentieren oder sagen oder tun. Was repräsentiert Batman oder was wollen wir von ihm? Das gleicht eigentlich dem, was die Bürger von Gotham City von ihm wollen. Gerechtigkeit soll Batman ausüben, Gerechtigkeit soll den Guten widerfahren, Bestrafung und Bekehrung für die Bösen. Aber „The Dark Knight“ stellt dies durch seine Figuren in Frage. Batman, Harvey Dent, Der Joker, das sind alles nur Projektionsflächen, um das zuordnen zu können, was die Menschen für gerecht und ungerecht halten. Und wir schauen uns selbst dabei auf der Leinwand zu. Wir schauen dem Mechanismus des Ordnens zu, den wir bestätigt oder widerlegt sehen. Aber letztendlich sehen wir uns wieder geläutert nach Abspann. Batman ist auf der Flucht, Harvey Dent/Two-Face ist tot, nur der Joker… als wir ihn das letzte Mal sehen, hängt er kopfüber.

(Was im Bericht über das Stemweder Open Air Festival nicht steht, ist natürlich die Frage nach meiner Kritik oder der Berechtigung einer Kritik an solch einem von mir beobachteten Verhalten. Warum reibe ich mich eigentlich so an dem Verhalten der anderen Festivalbesucher? Warum (miss)fällt mir gerade so sehr die Trunkenheit auf? Wie kommt es dazu, dass ich Punker Asi-Punks nenne und Männer und Frauen mit langen Haaren und Lederklamotten Alt-Rocker, die in ihrem Leben nie weitergekommen sind? Woher kommt und wie entsteht meine Forderung nach einem Fortschritt in der Musik, in dem Verhalten von Menschen auf Festivals? Wieso muss auf dem Festivalgelände alles sauber sein und wieso stelle ich der binären Opposition sauber/schmutzig die Opposition richtig/falsch gegenüber? Wie entstehen überhaupt Begriffe wie sauber und schmutzig und wo verläuft da die Grenze?…)