Archiv

Archiv für den Monat September 2012

Als ich 2006 aus Schimborn nach Weimar zog, brach mein Herz. Ich hatte meinen 1993 gekauften Cheri CG-20 Verstärker zu lange Zeit im feuchten Keller gelagert und die Kontakte hatten Schimmel angesetzt. Der Cheri CG-20 hatte mir jahrelang zu Hause gute Dienste geleistet und dann war er in den Proberäumen meiner Bands ein hilfreicher kleiner Begleiter, der z.B. der alten Philips Orgel zu mehr Lautstärke verhalf. Man hätte den Verstärker retten können, aber ich konnte damals einfach nicht die emotionale Kraft aufbringen, dies zu tun. Meine Gitarren waren mir fremd geworden, beide E-Gitarren lagerten schon seit langer Zeit bei meinem Bruder und allein die Akustik-Gitarre stand bei mir zu Hause, aber ich spielte sie sehr selten. Ich weiß nicht, was zwischen 2004 und 2006 passiert war. Ich brachte damals eine große Menge Müll auf den Wertstoffhof, darunter die kaputte elektrische Schreibmaschine meines Vaters und mein Cheri CG-20. Ich kippte diese Gerätschaften in einen dafür vorgesehen Container – und mir standen Tränen in den Augen. Ich warf einen großen Teil meiner Vergangenheit fort. Es brach mir das Herz aber ich schluckte es runter.

Heute Nachmittag ging ich auf den Siegfriedplatz-Flohmarkt in Bielefeld, obwohl ich eigentlich gar nicht dorthin wollte. Ich war müde. Aber ich schaute herum und erblickte schon nach 5 Minuten an einem Stand netter Jugendlicher einen Cheri Verstärker. Es war der kleinere jüngere Bruder des Cheri CG-20, und zwar der CG-15. Der Besitzer erzählte mir, dass er wohl 10 Jahre alt sei und noch gut funktioniere. Er verfügt wie der CG-20 über zwei Gain-Regler, 3-fach Equalizer und Lautstärkeregler. Allerdings hat er keine Einstellung für Presence. Außerdem besitzt der neuere CG-15 über einen Mic-Eingang. Ich kaufte ihn. Als ich ihn zu Hause anschloss, konnte ich schnell den guten Sound dieses Billig-Verstärkers wieder erkennen. Ich war irgendwie so gerührt, mir standen die Tränen in den Augen. Ich konnte es wieder gutmachen, dass ich meinen CG-20 so sträflich schlecht behandelt hatte! Mein Herz ist nun nicht mehr gebrochen.

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Psychospaltung auf Twoday ist jetzt seit 3508 Tagen online. Im nächsten Jahr wird die Idee dieses Weblogs 10 Jahre alt. Psychospaltung geht jetzt – erst einmal – auf WordPress weiter. Der Umzug hat vielerlei Gründe. Einer davon ist die Unbeständigkeit dieser Idee. Auf Psychospaltung-Twoday sind 2147 Beiträge online. Auf Psychospaltung-Wordpress sind 2008 Beiträge online. Die fehlenden Beiträge werde ich eventuell ausfindig machen können und noch rüberholen. Ansonsten sind sie eben im digitalen Moveable Type Nirvana verschwunden. Die Bilder sind größtenteils mitgewandert, da sie immer noch mit Twoday verknüpft sind. Einige Beiträge werden mit Januar 1970 angegeben. Wann sie wirklich geschrieben wurden, werde ich vielleicht noch nachvollziehen können, aber es ist viel Arbeit, und die braucht Zeit die ich nicht habe. Viel Spaß beim Weiterlesen.

Was mich an politischem Aktivismus wie der Occupy-Bewegung und deren Einbindung in die dOCUMENTA 13 stört, ist die brutale Direktheit mit der dort alles geschieht. Die Occupy-Bewegung argumentiert damit, so die Antwort auf die Brutalität des ihnen entgegen gebrachten Systems zu geben. Aber ich kann nicht umhin ein in die Erde geschlagenes Kreuz mit der Aufschrift „Menschlichkeit“ – so gestern auf der dOCUMENTA 13 in Kassel gesehen – für mindestens kontraproduktiv und künstlerisch eindimensional zu halten. Auch hier würde ich darauf verweisen, dass die Occupy-Bewegung diktatorisch vorgeht: ich habe es gefälligst zu kapieren was dort passiert, Missverständnisse gibt es keine. Occupy ist linear und unmissverständlich wie die finanzkalkulatorische Welt des Kapitalismus und damit ebenbürtig abzulehnen. Was mich an mir selbst und meiner Kritik stört: dass mir nichts anderes als Kritik zur Kritik am Kapitalismus einfällt.