„Poetry“ Slam.

Poetry Slams haben wenig mit Poesie zu tun. Eher mit Comedy. Ganz platt und direkt gesagt. Alle Poetry Slams, die ich bisher durchstehen musste, waren Standup Comedy Shows. Nicht, dass da etwas schlimm dran wäre. Aber der einzige Grund, warum das noch unter Poetry Slam läuft, ist die Entschuldigung für die unlustigen Passagen. Die kann man dann ganz weit entfernt als Lyrik titulieren. Die Stellen, an denen keiner lacht. Mal ganz abgesehen davon, dass die Vortragssituation eine ganz besondere ist und deswegen auch besonders betrachtet werden muss, ist das laut vorgetragene Geschmiere der meisten Performanten indiskutabel. Wer bei Poetry Slams am meisten und lautesten schreit oder eine Dynamik von Laut und Leise performiert, bekommt die meisten Lacher = „gewinnt“ den Abend. Dass das Ganze als eine Ellenbogenveranstaltung aufgezogen wird, in der man GEGENEINANDER antritt und GEWINNEN kann, zieht der letzten Ebene von Poesie den Boden unter den Füßen weg. Es gibt also auf Poetry Slams angeblich beste und schlechteste Lyrik. Ist ja ganz klar: wenn besonders viele Schreihälse im Publikum sitzen, die auch ansonsten einen lauten polternden Charakter haben, schreien die für die Figuren, die ihnen am nächsten kommen. Also auch die lautesten polterndsten Performer des Abends. Der Kapitalismus hat hier ganz klar gewonnen und zeigt allen anderen die Nase. Aber wer jetzt glaubt, dass man dann ja heimlich und still wenigstens für die kleinen leisen Mädchen sein könnte, die eben nicht so laut vortragen können und ganz verschüchtert vor den Mikrofonen stehen, hat sich geirrt. Die besudeln den Zuhörer dann nämlich mit ihren Kleinmädchen-Vorstellungen von Poesie: Wolken am Himmel, Flügel ausbreiten und wegfliegen. Selbst wenn jemand ein echtes Gedicht mitbrächte, dass auch nur im entferntesten Sinne die Magie von Lyrik vermitteln könnte, hätte derjenige gar keine Chance zwischen den ganzen gekränkten Egos die sich auf einem Poetry Slam gesundsabbeln, aufzufallen und herauszustechen. Der- oder diejenige würde nur den Abend stören. Ich kann mir gut vorstellen, dass alle Gedichte, die in den letzten 15 Jahren von Menschen zwischen 14 und 30 geschrieben wurden, niemals von jemand anderem gehört oder gelesen wurden als von den Schreibern selbst.

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