Apple und der Kapitalismus

Wie immer kann ich meine Gedanken nicht ganz ordnen. Aber das ist egal. Fangen wir an.

Wer in 2014 voll unterdrücktem Selbstbewusstsein behauptet, der Journalismus oder „die Medien“ oder überhaupt die Welt wäre an einem schlimmen Punkt angekommen, wenn man ein Marketing-Event wie die gestrige Keynote von Apple als News „verkaufen“ würde – wie ich das sinngemäß in einem Tweet gelesen habe, der retweetet wurde und das wahrscheinlich nicht nur einmal – der hat nicht nachgedacht, aufgepasst und nicht verstanden. Im Gegenteil: die immer noch allgegenwärtig verteidigte symmetrische Ausrichtung von Gut und Böse entlang von Kapitalismus und Gegenversuchen, funktioniert ja schon lange nicht mehr. Das schnauzige Selbstbewusstsein, mit dem halbintellektuell gegen Apple und den Kapitalismus allgemein gewettert wird, wird indes immer stärker. Dazu ein paar Fragen:

– Wie kann es sein, dass man in 2014 noch nicht verstanden hat, dass Unternehmen wie Apple nicht nur Produkte auf den Markt bringen, die wir benutzen, sondern das Kommunikationsformen durch Produkte wie Smartphones transformiert und perforiert werden?

– Wie kann es sein, dass man sich nicht bewusst ist, dass man seine zersetzende Meinung nur deswegen gelernt hat zu äußern, weil der eigene Geist durch Technologiewolken wie Internet (und seine Dienste und Agenten wie Twitter und Facebook) erst dadurch erwacht ist?

– Wie kann es sein, dass ein Unternehmen wie Apple so sehr die Grenzen zwischen Marketing und Kunst verschwimmen lassen kann und man diese geistige Kraft in kontemporärer Kunst vermisst?

Es interessiert mich nicht, das Unternehmen Apple in irgendeiner Weise zu „stärken“. Mich interessiert wie immer nur der Diskurs. Nochmal: wie sind die Bedingungen entstanden, unter denen ein Tweet retweetet wird, der einen Text zum Inhalt hat, wie ich ihn oben beschrieben habe? WIe kann es sein, dass zuerst überhaupt so ein Text verfasst wird und der dann auch noch geteilt wird – ohne nochmal reflektiert zu werden? Wie kann man denn „das richtige Leben im falschen“ leben, und dann die eigene, vom falschen Leben gesponsorte, Sprache verstummen lassen wollen? Hier hat eine geistig hochbegabte Gruppe an denkenden Menschen eine Ecke vergessen, um die man noch biegen muss.

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