Die alten Leiden des alten B.

Früher habe ich immer gedacht, dass man sich gut versteht, wenn man die gleichen Interessen hat. Und nicht nur das, ich habe gedacht, dass gewisse Interessen mit gewissen Charaktereigenschaften verbunden wären. Künstlerisch inspirierte und interessierte Menschen habe ich für gefühlvoll und empathisch gehalten, und warmherzig, vielleicht auch großzügig. Menschen ohne großes Interesse an etwas habe ich für oberflächlich und kalt gehalten, teilnahmslos und rücksichtlos.

Am Anfang eines Gedanken stand oft die Unterscheidung zwischen Mainstream und dem Underground, ganz egal um was es ging. Ein gewisses Abseits habe ich dabei immer als gewolltes Abseits empfunden. Man hatte sich dafür entschieden abseits zu stehen, bzw. für überhaupt etwas entschieden, also einen eigenen Weg gesucht und dann gemerkt, dass man mit dieser Entscheidung automatisch ins Abseits gerät.

Aber Signifikant und Signifikat sind getrennt, kennen sich manchmal gar nicht und meine Vermutungen und Gefühle stellten sich als gefährlich naiv dar. Ich habe Vertrauen in Dinge und Menschen gesetzt, die letztendlich zu einem Leidensdruck geführt haben – ich bin mehr und mehr unglücklich geworden. Ganz besonders die Verbindung unter Menschen war mir – anscheinend – immer mehr und mehr wichtig. Wie man einmal geknüpfte Verbindungen plötzlich einfach so lösen konnte, jemanden mutwillig verletzen, im Stich lassen oder beleidigen, das hatte ich nie verstanden. Und außerdem: die größten Arschlöcher können den besten Musikgeschmack haben.

Ich war niemals in der Lage besonders intelligent meinen Vorteil zu suchen, für meine Rechte einzustehen und Anderen Grenzen aufzuzeigen. Stattdessen war ich immer davon ausgegangen, dass Andere, genau so wie ich, versuchen würden, die Grenzen des Gegenübers zu ertasten und dann zu respektieren und nicht weiterzugehen. Aber dem ist nicht so, es gibt ein Ausnutzen passiver und aktiver Art, es wird gehandelt bevor nachgedacht wird. Damit meine ich: selbst wenn man jemanden nicht vorsätzlich verletzen will, tut man das schon in dem Moment, in dem man unachtsam ist.

Ich komme auf diese ganzen Sachen die da oben stehen, weil so viele Beispiele in mein Blickfeld geraten, die ermüdend und verärgernd wirken. This Will Destroy You’s neuestes Album bzw. die Kommentare dazu auf Last.fm sind heute der Anstoß für diesen kleinen Artikel hier. Sinngemäß wurde dort gesagt: „Ey, das ist Post-Rock, ich erwarte 30-minütige Odysseen und nicht 3-minütige Ausflüge.“ Ich hab mich gefragt, wie man so unverblümt unverschämt sein kann. Was ist eigentlich passiert, dass man 1. so etwas empfindet, und 2. so etwas auch noch öffentlich herausplärrt? Haben die Leute wirklich keinen Respekt mehr vor der Autonomie eines Künstlers? Sich darüber beschweren, dass der eigene Wunsch nicht erfüllt wird? Bei einer Band wie This Will Destroy You? Ich verstehe es nicht. Bzw. verstehe ich es doch, aber ich will es nicht wahrhaben und akzeptieren.

Ich möchte irgendwie immer noch, dass sich die Welt um meine Vorstellungen von ihr dreht, und nicht umgekehrt. Aber das wird sie niemals tun. Es wird wirklich Zeit, das zu akzeptieren. Sonst ist bald nichts mehr von mir übrig, außer der Angst zu existieren.

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