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Musik

At the Drive-In’s „Arcarsenal“ habe ich mal attestiert, mich aus dem Koma ins Leben erwecken zu können. Das war auch hier im Weblog, glaube ich. Ich bin immer noch dieser Meinung, da mich dieser aufgeregte Zappelcore und Mix aus verqueren Melodien, die einzeln gespielt keinen Sinn ergeben würden, immer noch sehr anmacht. Ich halte generell viel von dem Album, da es sehr texturell produziert ist und so komplex aufgebaut, dass es kaum langweilig werden kann. Ich mag auch, dass ich an diesem Album lange arbeiten musste, bis ich es mochte. „Arcarsenal“ wird so schnell nicht vom Smartphone verschwinden. 

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Durch den Sprung vom Hardrock, Metal und Death Metal zum Grunge, Indie Rock und Alternative Rock änderte sich ab 1991-1993 einiges in meinem Leben. Damals dachte ich, ich müsste der ganzen Proleten Musik abschwören. Nachdem ich dann verstanden hatte, dass das nicht so eindimensional und analog funktioniert, konnte ich mich wieder zum Death Metal hingezogen fühlen und voller Lust all das hören, was ich als 14-15 jähriger so geliebt hatte. Hier also Morbid Angel, die mit „Blessed are the Sick“ ein wundervoll trocken produziertes  vertracktes Death Metal Album aufgenommen haben.

Als ersten Eintrag meiner neuen Kategorie „The 1000 tracks of my iPhone playlist“ wähle ich Radiohead „Codex“ vollkommen ohne speziellen Zusammenhang. Der ergibt sich vielleicht doch, wenn man sich anschaut, dass ich für „The King of Limbs“ als Album eine Weile länger als für die anderen Alben brauchte und mich ein wenig scheue, mir jetzt „A Moon Shaped Pool“ anzuhören. Zu „The King of Limbs“ entwickelte ich irgendwann die spezielle Beziehung, die Radiohead eben von Album zu Album entwickeln. Die Tiefen der Songstrukturen ergeben sich dort eben erst nach mehrmaligem Hören. So auch bei „Codex“, der durch seine Stille und Sparsamkeit im Lärm während des Unterwegs-Hörens erst einmal untergeht. Getragen von Beat, Bass, Stimme und ein paar schönen Klängen entwickelt der Song aber nach kurzer Zeit eine starke Sogkraft: Man segelt auf dem Song irgendwie wie aufs Meer hinaus, eingelullt in einen Schlafgesang. Spärlich und doch atmosphärisch sehr dicht skippe ich diesen Track selten weiter, auch wenn ich unterwegs bin und da eher lautere Songs zünden.

So wie die letzten Jahre, will ich hier im Weblog wenigstens noch mein Musik-Jahr rekapitulieren, wenn schon ansonsten so wenig geschrieben wird. So wie im letzten Jahr, werde ich mich um die neuen Top Bands kümmern, anstatt auf die immerwährend gleichen einzugehen. Und auch die Top Tracks werden dieses Jahr wieder beachtet. Quelle für all das ist wie immer Last.fm und der Last.fm Explorer von Two three fall.

TOP 5 BANDS 2014 (neu)

5. REAL ESTATE

Real Estate fungieren immer dann als wunderbarste Band, wenn man nach Ruhe und Ausgeglichenheit sucht. Sosehr die Beatles wohl in den 60er Jahren auch aufrührerisch waren, so sehr strahlte die Musik Ruhe aus. Ähnlich geht es mir mit Real Estate. Sanftheit und Verträumtheit sind hier die Begriffe, die mir maßgeblich einfallen. Real Estate funktionieren dann bei mir auch wirklich sehr gut als Album-Band.

4. MANOWAR

Zu der Zusammenstellung dieser „neuen“ Top 5 Bands werde ich gleich unten noch einmal was schreiben, aber Manowar schälen sich als eine Band heraus, die ich seltsamerweise selten weiterskippe. Es kam in 2014 sicherlich nicht ein einziges Mal vor, dass ich zuhause auch nur einen Song dieser Band angemacht habe. Bin ich aber unterwegs, skippe ich im Zufallsmodus selten an Manowar vorbei. Und es handelt sich dabei auch nur um die beiden 80er Alben Battle Hymns und Kings of Metal.

3. TORTOISE

Und auch Tortoise sind Altbekannte, die wieder einmal in die Charts eingetaucht sind. Tortoise sind, ganz anders als Manowar bspw., eine ausschließliche Album-Band für zuhause. Post-Rock wird für mich immer noch durch ihren Sound definiert, aber ich habe den Diskurs-Kampf um die Namensvorherrschaft zwischen Instrumental-Rock und Post-Rock aufgegeben. Das Zusammenfügen von Jazz und Rock und Pop und Elektronik mit ungewöhnlicher Instrumentierung und ohne Gesang war für mich immer das, was das Post in Post-Rock ausgemacht hat.

NIRVANA, BOARDS OF CANADA, RADIOHEAD, BAD RELIGION, LAWRENCE

2. THIEVERY CORPORATION

Thievery Corporation vervollständigen mit dem Top 1 Artist meine Lust auf das Feeling, das ich in den 90er Jahren in Bezug auf elektronische Musik hatte. Sanft löste sie mich von den Gitarren des Metal wie ein Spudger den Akku in einem iPhone löst. Ich war stark in diesem Gitarren-Dings verhaftet als auch schon die Elektronik kam und mich aus Konservatismus und reaktionärer Denke rettete. Thievery Corporation gehörten mit nur einem einzigen Album, The Mirror Conspiracy, ganz maßgeblich dazu.

1. APHEX TWIN

Eine Überraschung hält jedes Jahr bereit, und in diesem Jahr ist es ganz sicher und mit Abstand das neue Aphex Twin Album Syro. Ich hab von Syro geträumt und ich hab Syro gelebt. Syro war ein Grower, der aber sehr schnell gewachsen ist. Syro hat all das für mich verkörpert, was die 90er an Elektronik bereit hielten. So sehr ich unterwegs immer auf die Gitarren gesetzt habe und der Anteil der Gitarrenmusik mengenmäßig sicher größer ist als die der elektronischen Musik, war das bewusste Hören hier zuhause doch sehr auf die Elektronik eingeschossen. Und das ist auch gut so. Syro hat abdelivert, aber sowas von. Jeder Track klebt von dem honigartigen Gemisch aus verfrickelter Elektronik und weichen melodiösen Synthies. Es ist bestechend, und es hat richtig gutgetan, dass dieses so gehypte Album Eingang gefunden hat.

SOUNDGARDEN

TOP 10 SONGS OF 2014

10. Mogwai „Ratts of the Capital“

2014 fand ich ein wenig meinen Frieden mit Mogwai, die ich eine Weile relativ verachtet habe ob ihres immer wiederkehrenden Sounds im Instrumental-Rock. Aber 2014 hatte ich wieder Lust auf die Dynamikbögen, die mich einst so beeindruckt haben, und so griff ich oft auf meine Favourites der letzten 10 Jahre zurück, vor allem eben auf die Songs des Happy Songs Albums, das ich immer noch am liebsten mag.

9. Brutal Truth „Ill Neglect“

Vielleicht auch stellvertretend für meine immer noch groß vorhandene Lust auf den Death Metal der frühen 90er Jahre, steht hier Brutal Truths „Ill Neglect“, hier könnte auch Inpropagation von Carcass oder Abominations von Morbid Angel stehen, aber die Riffs des Death Metals von damals turnen mich immer noch mehr als an.

8. Waterbodies „How to burn bridges“

siehe 2013

7. Aphex Twin „Papat…“

siehe Top 5 Bands 2014

6. Logh „Ghosts“

Ein schmählich vernachlässigter Song in den letzten Jahren, hat „Ghosts“ seinen Weg endlich auf meinen Player zurückgefunden. Logh gehören einfach zu den Top 5 neuen Bands der letzten 15 Jahre in meinem Leben, und dieser Song ist hier nur stellvertretend für das Gesamtwerk wenn man so will. Auch wenn 2014 nicht so ein großes Logh-Jahr für mich war.

5. Kerbdog „Dry Riser“

Kerbdog sind eine der Grunge/Metal/Crossover-Bands der 90er Jahre, die wohl im Matsch der Majorfirmen großgezogen wurden, die aber dennoch die ein oder andere sehr gute Idee hatten. Damals hat man über MTV alles mögliche aufgesogen, was mit verzerrten Gitarren daherkam, Kerbdog und diese Single waren eine der Bands, die sehr schnell wieder verschwanden. Für mich persönlich verschwand dieses Lied auch für eine ganze Weile, bis ich es letztes Jahr wieder ausgrub.

4. Survival „Tragedy of the Mind“

siehe 2013

3. 88 Fingers Louie „100 Proof“

Vor gut 10 Jahren hörte ich viel Core, Melody-Core, Death-Core, Core Core Core. Die Emotionalität die durch weinerlich vorgetragene Vocals transportiert wurde, schmeichelte mir sehr. Und ich konnte mir gut vorstellen, selbst solche Musik zu machen – dazu ist es nie gekommen. Viele dieser Songs habe ich mir damals überhört, und so ist auch „100 Proof“ für eine Weile in der Versenkung verschwunden, aber auch diesen Song habe ich gegen Ende des Jahres wieder ausgegraben und ganz neu für mich erfunden.

2. Chad VanGaalen „Bones of Man“

siehe Jahre zuvor

1. Father John Misty „Hollywood Forever Cemetary Sings“

Pitchfork brachte mich auf Father John Misty, der der Schlagzeuger der Fleet Foxes ist und auf diesen Song, der irgendwie auf einer Besteliste stand, ich bin jetzt zu faul genau nachzuschauen auf welcher. Ich höre den Song und bin von den Elementen und der Zusammenstellung paralysiert. Elektrische Gitarren fast nur mit Mitten, ein reverberiertes Schlagzeug, und dann die bestechend weiche Stimme von J. Tillmann, dieser Song ist ein absoluter Wahnsinn. Und vor allem auch in verschiedenen Versionen im Internet als Video zu sehen, und jede Version ist irgendwie voll gut.

Alles in allem war 2014 wieder ein heterogenes Jahr, an der Zusammenstellung der Top 5 Bands kann man das wirklich sehr gut sehen. Nicht, dass es mir besonders peinlich wäre, dass Manowar darin auftauchen, es zeigt eigentlich wie sehr mein Geschmack über das Jahr verteilt wenig festgefahren zu sein scheint. Es gibt auch viele Künstler und Songs, die von Jahr zu Jahr nicht gehen sondern wachsen und immer wieder da sind und auch für immer bleiben, das finde ich sehr schön. Ich wünsche mir für 2015 eigentlich genau wieder das es eine Überraschung einer neuen Band oder meinetwegen auch eine Überraschung eines Künstlers wie Aphex Twin gibt, dann bin ich mit 2015 musikalisch genauso zufrieden wie mit 2014 auch.

Ich weiß nicht, warum „Ratts of the Capital“ (und ähnliche Songs von Mogwai) wieder in großem Stil bei mir Anklang finden, aber vielleicht ist jetzt die Zeitspanne erreicht, in der ich merke, dass das Versprechen, das Bands wie Mogwai Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre abgegeben haben, in den letzten 10 Jahren nicht eingelöst wurde. Nämlich das Versprechen, dass auf diese gelieferten Vorlagen von bspw. Mogwai mindestens ein Dutzend nachhaltiger guter Bands folgen würden, die das Erbe weitertragen, aufnehmen, verfeinern. Ich weiß nicht, in welcher Tiefe Bands wie Explosions in the Sky, Mono, This Will Destroy You, And so I watch you from afar und und und in der Lage waren, die Parameter des Instrumental Rock so auszutarieren, dass etwas Durchstechendes dabei herauskommt, bei mir ist da aber nicht viel passiert. Gerade Mono und Explosions fingen irgendwann an, mich regelrecht anzuöden, ich war sauer darüber, dass man sich anscheinend so faul in die bekannte laut/leise Schemata fallen ließ und ein langweiligeres Album nach dem anderen herausbrachte. Ich wandte mich also ab, und war – spätestens nach Mr. Beast – dann auch von Mogwai enttäuscht. Jetzt besinne ich mich aber wieder auf die Klassiker des Genres, die vor ca. 10 Jahren veröffentlicht wurden und dazu gehört „Ratts of the Capital“ als Song definitiv ganz stark dazu.

Actress‘ aktuelles ALbum „R.I.P“ klingt so als hätte es das Innere eines Clubs nie gegeben. Wer schon mal nach oder während einer Techno Party draußen vor dem Club vollkommen verschwitzt und müde und vielleicht auch nicht mehr ganz Herr seiner Sinne war, hat dieses Album schon mal gehört. Es war das, was man durch die Wände hören konnte.