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SB Warenhaus

Eine Frage hätte ich da noch. Was genau machen eigentlich die Leute immer mit den Einkaufswagen, dass ich immer einen erwische, bei dem das Rad eiert, irgendwas verbogen oder abgebrochen ist, oder den man gleich in die Tonne treten kann? Ich meine, finden da zwischendurch Stock-Einkaufswagen-Rennen statt? Nachts vielleicht, wenn ich schlafe? Was genau muss man tun, damit bei einem Einkaufswagen die Räder zu eiern anfangen? Gegen welche Wand muss man ihn fahren, oder wie lange in der Schlange stehen und warten, bis man anfängt, die Gitterstäbe zu verbiegen? Ich verstehe das einfach nicht. Ich nehme einen Einkaufswagen, da kann man den Kindersitz nicht mehr zurückklappen. Irgendwie sind die Stäbe so verheddert und verbogen, als wäre ein Kind im Sitz sitzend plötzlich zum Incredible Hulk geworden. Dann nehme ich den nächsten Einkaufswagen, da eiert das Rad so dermaßen, dass meine Würstchen von alleine wieder aus dem Wagen ins Regal hopsen. Bei einem weiteren ist die Griffstange so versifft, als hätte der Vorbenutzer sich erst die Hand in den Arsch gesteckt, um gleich danach einkaufen zu gehen. Was soll das?

Sagt die Tussi zu ihrem Freund: „Ach, hab ich dir ja noch gar nicht erzählt. Sebastian kann mir ja die Karten besorgen für Robbie Williams. Und er hat gesagt, dass er uns auch so VIP-Ausweise besorgen kann, dann können wir auch in den VIP-Bereich.“ Sie legt den Kopf schräg, eine verlegene Geste, ihre Gedanken an den wunderschönen Abend mit Robbie Williams, ihr gegenüber ihr Freund, der so gar nicht wie Robbie Williams ist, dem sie unverhohlen jeden Abend erzählt, wie toll sie den findet. „Und“, fragt der, mehr sagt er nicht. „Ich weiß nicht“, sagt sie, „ich glaub das noch nicht so ganz.“ Glaub es, Mädchen, und geh auf dieses Konzert.

Nicht schlecht, wie diese blondgefärbte Tussi und ihr blöder Sohnemann es geschafft haben, mit absoluter Ignoranz auf mein Angebot, sie an der Kasse vorzulassen, reagiert haben. Kein Danke, kein Lächeln, nicht mal ein Blick! Sie standen hinter mir, ich dreh mich um, sehe, dass der Sohn nur dieses Angelset in der Hand hat und sage: „Gehen sie ruhig vor.“ Danach rückten sie einfach an mir vorbei an die Kasse, während sie es schafften, nicht einmal annähernd in meine Richtung zu schauen. Ich wollte schon fragen, ob ich direkt nach dem Angebot aufgehört hätte zu existieren.

Mami ist einkaufen und hat ihr Handy dabei. Das klingelt dann auch, als sie an der Kasse steht, und zwar so, wie mein altes rotes großes Plastiktelefon geklingelt hat, als es noch in Betrieb war. Mami geht ran, Spätzchen ist dran: „Spätzchen, geh doch nach oben. Du weißt doch wo die Schlüssel sind.“ – „…“ – „Ich bin jetzt im Lidl und wollte noch in den Aldi.“ Und was ist mit Penny und Edeka? Und Takko? Wie sollen die ihr Geld verdienen, Mami. Das musst du Spätzchen dann erklären, wenn du nach Hause kommst. Als Spätzchen aufgelegt hat, ist Mami auch schon dran mit einräumen zurück in den Einkaufswagen. Und sie schaut einmal zu viel zur Kassiererin, einmal zu viel um sich, einmal zu viel die anderen Kunden an. Man merkt, sie will jetzt darüber reden, sie will jauchzen, dass Spätzchen sie auf dem Handy angerufen hat und sie einen so wundervoll mütterlichen Rat geben konnte: du weißt doch, wo die Schlüssel sind.